Elf der 81 Abgeordneten des neu gewählten Parlaments betreiben Politik als Hauptberuf

Polit-Profis auf Vormarsch

Kreis kassel. Auch wenn seine Sitzungen stets schon mittags um 13 Uhr beginnen: Der Kreistag ist von der Grundidee her ein Feierabendparlament. Die 81 Abgeordneten gehen ihren Berufen nach und machen in ihrer Freizeit Politik. Das gilt auch für die meisten Mitglieder des neuen Kreistags, der Sonntag vor einer Woche gewählt wurde.

Und doch fällt auf: An den Schalthebeln der Fraktionen sitzen immer mehr Profi-Politiker. Besonders ausgeprägt ist dies bei den Sozialdemokraten. Auf den ersten Plätzen stehen gleich vier Kreistagsabgeordnete, die als Politiker ihren Lebensunterhalt verdienen: Ulrike Gottschalck, Bundestagsabgeordnete aus Niestetal und zugleich Chefin der SPD-Kreistagsfraktion, Brigitte Hofmeyer, Landtagsabgeordnete aus Hofgeismar, und die Bürgermeister Dirk Stochla (Vellmar) und Stefan Denn (Zierenberg).

Doch damit nicht genug: Mit den Bürgermeistern Edgar Paul (Nieste) und Dieter Lengemann (Fuldabrück) sowie dem Landtagsabgeordneten Timon Gremmels (Niestetal) gehören weitere drei Profi-Politiker der 39-köpfigen SPD-Fraktion an. Sieben Profi-Politiker unter 39 Abgeordneten, das ist ein Anteil von fast 18 Prozent.

Doch auch weitere Fraktionen haben Profi-Politiker in ihren Reihen. Bei der CDU sind dies die Bürgermeister Ursula Gimmler (Schauenburg) und Michael Aufenanger (Ahnatal). Über einen De-facto-Profi-Politiker verfügen auch die auf zwei Sitze geschrumpften Liberalen, auch wenn es sich bei seinem Posten lediglich um ein Ehrenamt handelt: Lasse Becker aus Vellmar ist Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen und in dieser Funktion gegenwärtig begehrter Gesprächspartner der Medien zum Thema personeller Neubeginn bei der FDP.

Die ebenfalls mit zwei Abgeordneten im neuen Kreistag vertretenen Linken setzen auf den Sachverstand von Marjana Schott. Die Sozialpädagogin aus Fuldabrück sitzt für die Partei im Landtag.

Sechs Bürgermeister im Kreistag - kontrollieren diese sich nicht selbst? Immerhin wacht die bei der Kreisverwaltung angesiedelte Kommunalaufsicht darüber, dass auch in deren Städten und Gemeinden alles mit rechten Dingen zugeht.

Harald Kühlborn, Pressesprecher des Landkreises, sieht keine Interessenkollision. Er verweist auf die besondere Stellung der Aufsichtsbehörde. Diese gehöre organisatorisch zwar zur Kreisverwaltung. „Die inhaltlichen Vorgaben kommen aber vom Innenministerium in Wiesbaden“, sagt Kühlborn. „Da hat nicht einmal der Landrat Einfluss.“

Und wie sieht es mit Kreistagsbeschlüssen aus, die die Kommunen betreffen? „Die Bürgermeister dürfen mit abstimmen“, stellt Kühlborn klar.

Besonders interessant ist dies bei der Kreisumlage, also der Summe, die jede einzelne Kommune an den Landkreis abführen muss. Bürgermeister, die zugleich Kreistagsabgeordnete sind, entscheiden so mit darüber, wie stark ihr Heimatort belastet wird. DAS SAGT / KOMMENTAR

Von Peter Ketteritzsch

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