Interview: Svenja Brand (17) über ihre Erfahrungen im Bundestag

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Spannende Tage in Berlin: Die 17-jährige Gymnasiastin Svenja Brand aus Nieste lernte den Politikbetrieb in der Hauptstadt aus nächster Nähe kennen.

Nieste/Berlin. 312 Jugendliche aus ganz Deutschland haben vom 9. bis 12. Juni in Berlin Bundestag gespielt. Vier Tage lang übernahmen die 16- bis 20-Jährigen die Rolle von Abgeordneten. Höhepunkt war eine Plenardebatte im Reichstagsgebäude.

Zu den jungen Abgeordneten auf Zeit gehörte auch Svenja Brand (17) aus Nieste. Wir sprachen mit ihr.

Frau Brand, Anfang der Woche haben Sie im Bundestag geredet. Da ist man ganz schön nervös, oder?

Svenja Brand: Oh ja. Gerade am Abend davor war ich wahnsinnig aufgeregt. Ich konnte kaum schlafen und wollte die ganze Geschichte am liebsten noch absagen. Wir in der Gruppe wussten ja auch nicht, ob, und was für Zwischenfragen kommen. Meine Gruppe saß am Ende bis 3 Uhr nachts an der Rede, bis sie vortragstauglich war. Als ich dann aber am Rednerpult stand, war das einfach nur noch ein unglaubliches Gefühl.

Für eine 17-Jährige ist es nicht selbstverständlich, sich für Politik zu interessieren. Was reizt Sie daran?

Brand: Ich denke, dass es sehr wichtig ist, sich politisch oder ehrenamtlich zu engagieren. Viele Bürger beschweren sich, versuchen aber nicht, etwas zu verändern. Man kann niemanden zwingen, aktiv teilzunehmen, das ist nicht Sinn einer Demokratie, aber jeder hat eine Verantwortung zu tragen.

Sie wurden von der Kasseler FDP-Abgeordneten Mechthild Dyckmans eingeladen. Ist die FDP Ihre Partei?

Brand: Ich beschreibe mich als überparteilich. Unter den Jugendlichen gab es aber einige, die Mitglied in politischen Jugendorganisationen sind.

2013 finden Bundestags- und Landtagswahlen statt. Wissen Sie schon, wem Sie Ihre Stimme geben?

Brand: Dazu möchte ich lieber nichts sagen.

Sie haben während der vier Tage in Berlin simuliert, wie die parlamentarische Demokratie funktioniert. Konnten Sie sich mit Ihren Themen durchsetzen?

Brand: Für viele war es unheimlich schwer, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Doch das reizte mich gerade. Ich hieß nicht mehr Svenja Brand, sondern Emma Jansen, war Mutter von drei Kindern und Abgeordnete der Christlichen Volkspartei (CVP). Unsere Gruppe vertrat sehr konservative Ansichten. Das war nicht immer leicht, und oft unterschied sich die eigene Meinung von der Position der Partei.

Sie haben die offiziellen Abläufe kennengelernt. Politik bedeutet aber auch, die Ellenbogen auszufahren und in Hinterzimmern zu kungeln.

Brand: Ja, das stimmt. Es gab etliche Jugendliche, die in ihrer Politikerrolle richtig aufgegangen sind. Neben Buhrufen, lautem Lachen und abwertenden Gesten versuchten einige, politisch Andersdenkende durch fiese Zwischenfragen vorzuführen. Jede Gruppe versuchte eben, sich als die einzig wahre Partei darzustellen. Aber der Großteil war natürlich - gerade in den Debatten - um Sachlichkeit und Konstruktivität bemüht.

Welcher Politiker beeindruckt Sie am meisten?

Brand: Ein wirkliches politisches Vorbild habe ich nicht. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat mich mit seiner aufrichtigen Art sehr beeindruckt. Gerade seine Schlussrede überzeugte mich.

Sie haben vier Tage Politik live erlebt. Können Sie sich eine politische Karriere vorstellen?

Brand: Ich denke, ausschließen kann das niemand. Auf jeden Fall möchte ich etwas bewegen. Auf welcher Ebene das sein wird, kann ich noch nicht sagen. Meiner Meinung nach sollte jeder Bürger erst einmal genug Lebenserfahrung sammeln, bevor er in die Politik geht. Denn Politik soll nicht von oben gemacht werden.

Was haben Sie aus dem Projekt „Jugend und Parlament 2012“ für sich persönlich mitgenommen?

Brand: Man kann die Komplexität von Politik erst wirklich verstehen, wenn man sie selbst erlebt hat. Politik ist richtig harte Arbeit und kann sehr anstrengend sein. Die Sitzungen ziehen sich, das Zuhören fällt nach einer gewissen Zeit ziemlich schwer. Mitgenommen habe ich vor allem auch, dass man kompromissbereit sein sollte, und anderen nicht voreingenommen begegnen darf.

Aktuell wird diskutiert, ob man das Wahlalter auf 16 Jahre herabstufen sollte. Was halten Sie davon?

Brand: Ich bin dagegen. Die meisten 16-Jährigen haben weder ausreichende Erfahrung noch das politische Verständnis. Außerdem neigen gerade Jugendliche dazu, radikale Parteien zu wählen.

Von Jana Nölke

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