Planspiel: Erich-Kästner-Schüler diskutieren über fiktives Jugendzentrum

Politik mal selbst gemacht

Politik in junger Hand: Die Klasse 8a musste Entscheidungen treffen, Kompromisse schließen und sich durchsetzen. Vorn hocken Sabrina Kilian (links) und Olcay Tüfekic, sie halten Auszüge aus Zeitungsartikeln, die die „Presse“ geschrieben hat. Foto:  Grigoriadou

Baunatal. Sie diskutieren, streiten, keifen und schimpfen. Noch nie war es so laut in der Klasse 8a der Baunataler Erich-Kästner-Schule. Und das ist von den Lehrern ausdrücklich erwünscht. Denn die jungen Leute müssen entscheiden, ob ein Jugendzentrum gebaut wird oder nicht.

Gesellschaftslehre ohne Buch

„Das Planspiel Rüsselsdorf ist von der Bundeszentrale für politische Bildung“, erklärt Thomas Gudella vom Jugendbildungswerk der Stadt Baunatal. Darin geht es um eine Frau, die nach ihrem Tod der Stadt Rüsselsdorf ihre Villa und 300 000 Euro vermacht. Bedingung: In ihrer Villa soll ein Jugendzentrum errichtet werden.

Dieses Projekt gehört zum Unterrichtsfach Gesellschaftslehre an der Schule. „Aufhänger ist die Umgestaltung des Rathausplatzes“, sagt Lehrerin Christina Gillessen. „So haben wir Zugang zu politischen Entscheidungen und Strukturen bekommen und uns mit der Thematik an einem konkreten Projekt befasst.“

„Den Jugendlichen werden im Planspiel Rollen zugewiesen“, erklärt Gudella. „Es gibt die Mehrheitspartei, die Opposition, Bürger, Jugendliche, Presse und den Bürgermeister, die sich einig werden müssen.“ Ziel sei es, den Jugendlichen zu zeigen, wie Stadtverwaltung und Kommunalpolitk funktionieren.

Was muss also zuerst getan werden? Innerhalb eines Tages halten die Jugendlichen in Gruppen Sitzungen, treffen sich zu Bürgerversammlungen und müssen die anderen Gruppen von ihren Standpunkten überzeugen.

In die Rolle vertiefen

„Das ist nicht leicht“, sagt Martin Giese, der einen 65-jährigen Nachbarn spielt. In seiner Rolle ist er gegen den Bau eines Jugendzentrums. „Privat wäre ich ja dafür, aber als Rentner will ich meine Ruhe haben.“

In der Mehrheitspartei hat Lena Jacob mit anderen Problemen zu kämpfen: „Wir müssen zusehen, dass wir unsere Wähler nicht verlieren, sind aber größtenteils für ein Jugendzentrum.“ Und da gibt es noch Cedric Vollmann, der die Position der Presse vertritt. „Da gab es schon einige feurige Artikel“, sagt Christina Gillessen.

Es müssen Kompromisse geschlossen, Termine eingehalten, es muss ein gewisser Druck der Gegenparteien ausgehalten werden. „Auch das ist wichtig für die Schüler“, sagt Thomas Gudella. Und letztlich wird der Jugend klar, warum manche politische Prozesse so lange dauern.

Von Anthoula Grigoriadou

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