Lossetal

Politiker fordern: Bundesstraße 7 nicht für A44 opfern

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Politiker fordern: Bundesstraße 7 nicht für A44-Weiterbau opfern

Kaufungen / Helsa. Was unternehmen die örtlichen Bundestags- und Landtagsabgeordneten, um den Wegfall der Bundesstraße 7 zwischen Kaufungen und Helsa für den Weiterbau der A44 und damit ein Verkehrschaos in den Orten zu verhindern?

Was tun sie, um die Autobahn-Planung im Sinne der Menschen im Lossetal und in den betroffenen Stadtteilen Kassels zu beeinflussen? Wir haben die für die Stadt und den östlichen Altkreis Kassel zuständigen Parlamentarier um Stellungnahmen gebeten, die wir zusammengefasst auf dieser Seite veröffentlichen.

Ulrike Gottschalck (SPD)

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Die B 7 zwischen Kaufungen und Helsa müsse erhalten bleiben und für die Autobahn eine davon unabhängige Streckenführung gefunden werden, fordert die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Gottschalck (Niestetal). Anderenfalls wäre nach ihrer Einschätzung bei Unfällen und den regelmäßig anstehenden Tunnelprüfungen ein Verkehrschaos in Kaufungen und Helsa programmiert. Was ihr Engagement angeht, verweist Gottschalck auf eine von ihr gegründete überparteiliche Runde. „Zudem fordere ich Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium ein“, sagte Gottschalck, die Mitglied des Verkehrsausschusses ist. Weitere wichtige Themen im Zusammenhang mit der A 44 seien die Überlastung der Dresdener Straße, aktiver Lärmschutz, der Erhalt des Trinkwasserbrunnens in Kaufungen und die Zuständigkeit der Feuerwehren.

Mechthild Dyckmans (FDP)

Die FDP-Bundestagsabgeordnete Mechthild Dyckmans (Kassel) könne sich wegen einer Lateinamerika-Reise zu dem Thema nicht äußern, teilte ihr Büro mit.

Nicole Maisch (Grüne)

„Die Debatte um die B 7 zeigt, dass die Planung der A 44 an den Interessen der Anwohner und der Natur vorbeigeht und große Konflikte für die anliegenden Gemeinden birgt“, sagt die Grünen-Bundestagsabgeordnete Nicole Maisch (Kassel). Dies hätten die Autobahn-Befürworter immer geleugnet. Die Verantwortung für die Planung trage die hessische Landesregierung - allen voran Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP). Seine Aufgabe sei es, eine natur- und anwohnerfreundliche Trassenführung vorzulegen und gemeinsam mit den Bürgern in Helsa und Kaufungen eine Lösung zu finden. „Rentschs Versuch, sich hinter dem Bund zu verstecken, ist ein durchsichtiges Ablenkungsmanöver“, so Maisch. „Ein Ausbau der B 7 wäre eine gute Alternative zur nicht bedarfsgerechten Autobahn gewesen.“ Dafür hätten sich die Grünen eingesetzt.

Timon Gremmels (SPD)

„Die B 7 ist zwingend zu erhalten“, fordert der SPD-Landtagsabgeordnete Timon Gremmels (Niestetal). Es müsse geprüft werden, ob eine Herabstufung zur Kreisstraße ein finanzierbarer und für Land und Bund akzeptabler Kompromiss sein könne. Gemeinsam mit seinen Abgeordnetenkollegen versuche er weiterhin, die Ministerien in Wiesbaden und Berlin über die Notwendigkeit des Erhalts der Ausweichstrecke zu überzeugen, sagt Gremmels. Im Vergleich zu den naturschutzbedingten Mehrkosten der A 44 wären die zusätzlichen Kosten zum Schutz der Anwohner vertretbar. „Ich erwarte von den schwarz-gelb geführten Regierungen in Bund und Land vor den Wahlen am 22. September eine verbindliche Aussage zum Erhalt B 7. Gremmels verweist auf die Möglichkeit, sich in der Sache an den Petitionsausschuss des Landtages zu wenden.

Karin Müller (Grüne)

Für die Grünen-Landtagsabgeordnete Karin Müller (Kassel) zeigt der Trassenvorschlag des Bundesverkehrsministeriums, dass der Bau der Autobahn 44 zu erheblichen Problemen für die Menschen und die Natur führt. Die Befürworter hätten diese Konflikte für die Menschen in Kaufungen und Helsa jahrelang verschwiegen, so die verkehrspolitische Fraktionssprecherin, die sich auch für ihre Kollegin Monne Lentz (Kassel) äußert. Die Verantwortung dafür trage der hessische Verkehrsminister, der für die Trassenvorschläge zuständig ist. „Trotz jahrelanger Planung wurden die Anwohner nicht über mögliche Folgen aufgeklärt“, so Müller. „Jetzt ist der Verkehrsminister gefordert, eine Lösung für Kaufungen und Helsa zu finden.“ Ihre Kollegin Lentz fordert, dass der Radweg entlang der Kreisstraße 7 in jedem Fall erhalten bleiben muss.

Marjana Schott (Linke)

Die Linken lehnen nach Auskunft der Landtagsabgeordneten Marjana Schott (Fuldabrück) den Wegfall der B 7 zwischen Helsa und Kassel-Ost ab. Sie sind zudem gegen „eine Fortsetzung des Milliardenprojekts A 44 im Lossetal“. Der berechtigten Forderung der Anlieger nach Lärm- und Immissionsschutz könne mit wesentlich günstigeren Maßnahmen entsprochen werden, die zusätzlich auch noch schneller umgesetzt werden können. Die derzeitige Planung mit der Schließung der Anschlussstelle Kassel-Ost und dem Wegfall der B 7 werde zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen. Ihre Partei unterstütze den Widerstand der Menschen im Lossetal gegen die A 44. Das Bundesverkehrsministerium müsse endlich die Karten auf den Tisch legen, damit sich die Menschen aus erster Hand informieren könnten.

Uwe Frankenberger (SPD)

Als Kasseler Abgeordneter unterstütze ich die Forderung zum Erhalt der B 7“, sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Frankenberger. Er könne die Sorgen der Betroffenen „sehr gut nachvollziehen“. Bei einem Wegfall der B 7 drohe für die Anwohner eine enorme Belastung durch Ausweichverkehr. Als verkehrspolitischer Sprecher der SPD- Landtagsfraktion übe er Druck auf die Ministerien aus, „damit Entscheidungen im Interesse der Anwohner getroffen werden“. Frankenberger fordert auch, die Planung zum Wegfall der Anschlussstelle Kassel-Ost zu überarbeiten.

Eva Kühne-Hörmann (CDU)

Die Wissenschaftsministerin und Kasseler CDU-Landtagsabgeordnete Eva Kühne-Hörmann kann den geplanten Wegfall der B 7 bei Kaufungen „nicht nachvollziehen“. Die zu erwartende Belastung in den Ortsdurchfahrten sei „nicht zumutbar. Bei Unfällen auf der Autobahn würde keine Ausweichmöglichkeit bestehen.“ Kühne-Hörmann geht davon aus, dass die Stilllegung oder ein Rückbau der Bundesstraße teurer wäre als deren Erhalt. Die Ministerin kündigte an, sich schriftlich bei Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) für den Erhalt der B 7 einzusetzen.

Wolfgang Decker (SPD)

Der Kasseler SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Decker hält den Wegfall der B 7 für eine Fehlentscheidung. „Das wird unnötige Schleichverkehre in Kaufungen und Helsa produzieren.“ Mit dem gleichzeitig geplanten Wegfall des Anschlusses Kassel-Ost werde es damit insgesamt zu einer Verlagerung des Verkehrs auch in die östlichen Stadtteile Kassels kommen. Er übe Druck auf die zuständigen Landes- und Bundesbehörden aus, um eine Optimierung der Planungen zu erreichen. Die Forderungen der Anrainer werde er in Wiesbaden und Berlin mit Nachdruck zur Sprache bringen, so Decker.

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