Familie Weispfennig aus Martinhagen tritt zu fünft für die Linken zur Kommunalwahl an

Politikkultur von der Ruhr

Ein Plätzchen bitte: Einmal im Monat treffen sich die Weispfennigs bei Kaffee und Kuchen. Julia (von links), Reinhold und Roswitha sprechen mit den anderen Mitgliedern der Familie oft auch über Politik. Foto: Kühling

Schauenburg. Einmal im Monat – das hat bei den Weispfennigs Tradition – trifft sich die komplette Familie bei Kaffee und Kuchen. Dann wird ausgiebig über Privates gesprochen, oft aber auch über Politisches. Die regelmäßigen Diskussionen sind ein Anlass, warum sich gleich fünf Mitglieder der Martinhagener Familie kommunalpolitisch engagieren. Reinhold, Roswitha, Julia, Manfred und Eva Maria Weispfennig treten bei der Kommunalwahl am 27. März für die Linke in Schauenburg und auf Kreisebene an.

Vor allem wenden sich die Weispfennigs gegen soziale Benachteiligung. Ihre politische Kultur erklärt Reinhold (59) mit der Herkunft der Familie. Die Großeltern arbeiteten im Ruhrgebiet im Bergbau, der Vater bei einer Baufirma in Marl bei Recklinghausen.

„Mutter und Vater hatten es in der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht so einfach“, sagt er. „Sie hatten nicht die schulischen Möglichkeiten, die man eigentlich haben sollte.“ Damit die Schere zwischen Privilegierten und sozial Schwachen nicht weiter auseinander gehe, müsse man gegensteuern, ergänzt Ehefrau Roswitha. Die 52-Jährige engagiert sich deshalb genauso bei den Linken wie Eva Maria (59), die Ex-Frau von Reinhold, die ebenfalls im Ort wohnt. Untereinander habe man ein sehr gutes Verhältnis, betont Roswitha. Ebenfalls mit von der Partie: Reinholds Bruder Manfred (53) und dessen Tochter Julia (26).

Vor fünf Jahren bei der Kommunalwahl holte die Schauenburger Linke immerhin 6,4 Prozent. Weil die Partei aber nur sechs Bewerber für das Gemeindeparlament aufbot, statt der geforderten 13, scheiterte man am Einzug in die Gemeindevertretung. Aus dieser politischen Unerfahrenheit hätten die Mitglieder gelernt, sagen die Weispfennigs. Diesmal stehen 13 Kandidaten auf der Liste.

Martinhagen und die Landschaft drumherum hat es der Familie ganz besonders angetan. Schon der Vater habe sich bei einem Besuch eines früheren Arbeitskollegen in Martinhagen – dem heutigen Nachbarn – begeistert geäußert. Und so zogen die Weispfennigs 1971 von Marl an den Martinstein um. Der Vater habe auch ein Angebot für eine Stelle von VW bekommen, berichtet Reinhold, er habe sich aber letztendlich für die Baufirma Behrend in Kassel entschieden.

Mit Nachdruck treten die Martinhagener gegen Kriegseinsätze ein. Unter anderem, sagt Reinhold Weispfennig nachdenklich, weil der Vater als 14-Jähriger im Zweiten Weltkrieg von einer Phosphorbombe getroffen wurde. Sein Gesicht wurde dabei erheblich verbrannt. „Daher kommt unsere Einstellung zu Waffen und Kriegen.“

„Öffentlichkeit erreichen“

Bei der Wahl am 27. März hoffen alle nach der Panne 2006 nun auf den Einzug der Linken in die Gemeindevertretung. Roswitha tippt auf 6,5 Prozent, Julia auf acht und Reinhold zwischen sieben und acht. Sollte das klappen, haben die Weispfennigs ein Ziel: „Wir wollen über das Gemeindeparlament die Öffentlichkeit erreichen.“ Foto: nh  HINTERGRUND

Von Sven Kühling

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