Für Einsätze in Nordhessen

Polizei-Hubschrauber müssen aus Süden anfliegen

Leistet im Notfall auch Amtshilfe: Ein Hubschrauber der Fliegerstaffel der Bundespolizei, der in Fuldatal-Ihringshausen stationiert ist. Foto: Bundespolizei/nh

Kreis Kassel. Benötigt die Polizei Nordhessen bei Einsätzen einen Hubschrauber, muss dieser sich aus Südhessen auf den Weg machen. Doch reicht das im Ernstfall?

Eine frostige Nacht Mitte Februar. Ein 28-jähriger Baunataler, der als vermisst gemeldet worden war, wird im Wald bei Nieste mittels einer Wärmebildkamera von einem Polizeihubschrauber aufgespürt und später gerettet. Die drei Einbrecher, die die Besatzung des Helikopters eigentlich suchte, wurden jedoch nicht entdeckt.

Trotz der Rettung des Baunatalers stellt sich im Nachhinein die Frage, ob die hessischen Polizeihubschrauber in Ernstfällen rechtzeitig im Landkreis sein können. Denn ihr zentraler Standort liegt in Egelsbach, einem Ort in Südhessen zwischen Frankfurt und Darmstadt, 160 Kilometer Lufttlinie von Kassel entfernt.

Beim Polizeipräsidium Nordhessen sieht man da kein Problem: „Der Polizeihubschrauber braucht je nach Wetterlage 30 bis 45 Minuten von Egelsbach nach Nordhessen“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass das in den meisten Fällen ausreichend sei. Sollte aber eine akute Gefahr bestehen und ein sofortiger Einsatz notwendig sein, „können wir jederzeit auf die Amtshilfe von den Kollegen der Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal-Ihringshausen setzen“, weiß er. Auch der Hubschrauber aus Thüringen könne in 15 Minuten im nordhessischen Raum sein.

Die Anfragen nach Amtshilfen seien aber in den vergangenen Jahren stark zurückgegangen, bestätigt auch die Fliegerstaffel der Bundespolizei in Fuldatal. 2014 hat es demnach lediglich einen einzigen Fall gegeben. In früheren Jahren sei die Zahl zweistellig gewesen.

Überwachungsflugzeug: Mit einer „Vulcanair P68 Observer 2“ ergänzte die Polizeifliegerstaffel 2012 ihren Fuhrpark in Egelsbach, der bis dahin nur aus Hubschraubern bestand. Sie wird zur Verkehrsaufklärung, Bildübertragung von Katastropheneinsätzen und zum Lauftraumschutz eingesetzt. Foto: dpa

Ein Grund dafür sei, dass die Hubschrauber in Egelsbach seit gut fünf Jahren über die gleiche Ausstattung - Beispiel Wärmebildkamera - verfügten, wie die Fliegerstaffel.

Deshalb gebe es aktuell auch keinerlei Überlegungen hinsichtlich „einer Dezentralisierung der Polizeifliegerstaffel, da eine sicherheitspolitische Erfordernis dafür nicht besteht“, sagt Franz-B. Thiemeyer, Polizeidirektor und Leiter der Polizeifliegerstaffel.

Denn rein statistisch wird von den Polizeidienststellen im Rhein-Main-Gebiet am häufigsten ein Hubschrauber zur Unterstützung angefordert, erläutert Thiemeyer. Dort befänden sich auch die Schwerpunkte Flughafen Frankfurt und das engmaschige Verkehrswegenetz. Das seien damals wie heute die entscheidenden Punkte für die Stationierung der Polizeihelikopter im südhessischen Egelsbach gewesen. Und nicht zuletzt sei die Entscheidung für die Zentralisierung auch eine Kostenfrage, ergänzt Polizeisprecher Werner.

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