Bedrohte Kaufungerin nach Notruf enttäuscht: 45 Minuten Wartezeit auf Beamte - Sprecher: Fahndung lief

110 - und die Polizei kam später

Sie hatte Angst: Kerstin H. an ihrer Haustür, die die unbekannte und offenbar verwirrte Frau eintreten wollte. Foto: Stier

Kaufungen. Was Kerstin H. an Montagabend vergangener Woche erlebte, hat ihr Vertrauen in die Polizei schwer erschüttert. Die 47-Jährige wirft den Ordnungshütern vor, ihr trotz mehrerer Notrufe über die Nummer 110 nicht rechtzeitig zu Hilfe gekommen zu sein, obwohl die Lehrerin, die im Gebinger Weg in Oberkaufungen wohnt, nach eigenen Angaben akut bedroht wurde.

Nach Darstellung von Kerstin H. stand an jenem Montagabend gegen 22 Uhr plötzlich eine Frau im Flur ihrer Wohnung. Nach der Rückkehr vom Einkaufen hatte die Lehrerin die Haustür zwar einrasten lassen, den kleinen Schnapper aber vergessen umzulegen. Die Haustür konnte also aufgedrückt werden.

Verwirrter Eindruck

Die Frau, die nach Darstellung von H. vor ihr stand, habe einen verwirrten Eindruck gemacht. Sie habe immer wieder von einem „Olli“ gesprochen, angeblich ihrem Mann, den sie in der fremden Wohnung abholen wollte. „Die Frau stand schon einmal bei mir an der Tür“, erinnert sich Kerstin H.

Nachdem es ihr gelungen war, die offenbar Verwirrte mit „entschlossenen Worten“ zum Verlassen der Wohnung zu bewegen, ging es allerdings erst richtig los.

Die Frau - nach Angaben der Lehrerin ist sie mittleren Alters - habe fortwährend durch die gläserne Raute in der hölzernen Haustür gegrinst. Kerstin H. bekam es nun richtig mit der Angst zu tun - und rief gegen 22.20 Uhr die Polizei.

„Ich hatte Angst.“

Kerstin H.

Bis die Beamten des zuständigen Reviers Ost in Kassel-Bettenhausen schließlich an der Wohnung neben der Tankstelle in Oberkaufungen eintrafen, vergingen laut H. fast 45 Minuten.

Unterdessen versuchte die vermutlich verwirrte Frau, „nach Art eines Kickboxers die Tür einzutreten“, nachdem sie sich zwischenzeitlich im Carport vor dem Haus versteckt hatte. Als die Polizei schließlich gegen 23 Uhr bei Kerstin H. eintraf, hatte sich die Unbekannte nach Darstellung des Opfers längst durch den Garten in Richtung Schulstraße entfernt. Eine Dreiviertelstunde auf die Polizei warten zu müssen, und das in einer „absoluten Notsituation“, hält Kerstin H. für inakzeptabel. Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch, den die HNA mit dem Fall konfrontiert hat, spricht von einem „Missverständnis“. Demzufolge sind zwei Funkwagen in Marsch gesetzt worden, aber nicht direkt zur Wohnung der Lehrerin gefahren. Stattdessen hätten sich die Beamten - durch die Anrufe von Kerstin H. und eines Nachbarn über die Situation im Bilde - zunächst auf die Fahndung nach der Unbekannten konzentriert.

„Die Beamten haben nichts verkehrt gemacht.“

Wolfgang Jungnitsch Polizeisprecher

„Wir haben sie aber leider nicht gepackt“, sagt Jungnitsch. Aus seiner Sicht haben die Polizeibeamten „nichts verkehrt gemacht“. Kerstin H. überzeugen diese Argumente nicht.

Sie hätte erwartet, dass die Polizisten direkt zu ihr kommen. „Ich hatte Angst“, sagt sie noch einmal. Polizeisprecher Jungnitsch verweist darauf, dass für H. keine unmittelbare Gefahr mehr bestand, nachdem sich die Unbekannte entfernt habe. Archivfoto:  nh

Von Peter Ketteritzsch

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