25-Jähriger vom Amtsgericht zu eineinhalb Jahren verurteilt - Freispruch vom Vorwurf des Dieseldiebstahls

Mit Auto auf Polizisten zugefahren – Haft für 25-Jährigen

Schauenburg / Kassel. Ein 25-jähriger Mann aus Weißrussland ist vom Amtsgericht Kassel wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und weiterer Delikte zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Vom Vorwurf des Dieseldiebstahls sprach ihn das Gericht jedoch mangels Beweisen frei.

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Schüsse, Sirenen, Schreie. Draußen vor der Kabine eines Brummi-Fahrers war einiges los in der Nacht des 16. November 2011 auf dem Rastplatz Hundsberg an der Autobahn 44 bei Schauenburg. Der junge Mann sagte, er habe es aber nur im Halbschlaf registriert. Die Polizei habe ihn wach geklopft. Er sollte die Dieseltanks des Lkw kontrollieren. „Die Hälfte war raus“, berichtete er nun als Zeuge vor dem Kasseler Amtsgericht.

Doch wer den Kraftstoff geklaut hat, war nicht zu klären. Das bleibe „im Nebel“, befand auch der Staatsanwalt. Richterin Ferchland und die Schöffen sprachen den Angeklagten vom Verdacht des Dieseldiebstahls frei.

Verurteilt wurde er trotzdem – zu eineinhalb Jahren Haft wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Angeklagte in jener Nacht mit einem VW-Transporter voller Kanister auf einen Polizisten der Autobahnpolizei in Baunatal zusteuerte, der ihn kontrollieren wollte. Nur durch einen Sprung zur Seite habe sich der Beamte retten können.

Ihm und seinem Kollegen sei kurz zuvor ein Dieseklau in Richtung Dortmund gemeldet worden, berichtete dieser Polizist als Zeuge. Die Streife suchte nach den Tätern. Am Hundsberg seien sie auf den unbeleuchteten Transporter gestoßen – und Gestalten, die wirkten, als wollten sie fliehen. Als er sich im Licht des Polizeiautos dem Transporter genähert habe, sei der losgefahren.

Der Polizist berichtete, wie er auswich und acht Mal auf die Reifen schoss. Noch 500 Meter sei der Transporter auf der Autobahn gefahren, bevor er zum Stehen kam. Zwei oder drei Männer seien heraus gesprungen und die Böschung hinab geflohen. Den 25-Jährigen auf dem Fahrersitz hätten er und sein Kollege festgenommen. „Er guckte mich mit großen Augen an“, berichtete der andere Beamte.

Der Angeklagte will erst kurz vor diesem Moment aufgewacht sein. Die Geschichte, die er dem Gericht erzählt nimmt fast eine Stunde in Anspruch. Ihm sei angeboten worden, mit einem Autotransfer aus Deutschland Geld zu verdienen, sagte er. Stark erkältet sei er gewesen. Und die Kanister auf der Ladefläche des VW-Transporters hätten seine Begleiter schon einmal in Polen betankt.

Irgendwann auf einem Parkplatz habe er ein Mittel gegen seine Erkältung genommen, berichtete der 25-Jährige. Er habe die Heizung eingeschaltet und sei mit den Füßen auf der Ablage des Autos eingenickt. Von einem Schlag geweckt, habe er sich auf den Fahrersitz gestützt – und da habe die Polizei gestanden. Seine Verteidigerin forderte Freispruch in allen Punkten.

Von Katja Schmidt

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