Guntershäuser Gotteshaus feiert 100-jähriges Bestehen – Vorher Kapelle am Friedhof

Portal ist älter als Kirche

Eingangstor in der Mauer: Dieses Portal ist älter als die Guntershäuser Kirche. Es soll von einer früheren Kapelle am Friedhof stammen. Fotos: Jünemann

Baunatal. Bis 1912 hatte Guntershausen keine eigene Kirche. Der Ort gehörte kirchlich zu Grifte, wohin die Guntershäuser sonntags gingen, um auf eigens für sie reservierten Plätzen in der Grifter Kirche den Gottesdienst zu feiern.

Allerdings stand unterhalb des Guntershäuser Friedhofs eine kleine Kapelle, die für Tauf- und Trauerfeiern genutzt wurde. Sie stammte aus dem Jahr 1495.

Am 10. Dezember 1902 beurkundet die Gemeindevertretung ihren Entschluss, eine neue Kirche zu bauen mit den Worten: „Die alte Kirche ist reparaturbedürftig und unwürdig, sie lässt sich nicht umbauen, um den Bedürfnissen einer rasch wachsenden Gemeinde zu genügen.“ Auch Regierungsbaurat Bohnstedt hält in seinem Bericht von 1903 den Neubau für erforderlich: „…weil die Kapelle niedrig und dumpf ist und nur etwa 100 Personen Platz bietet.“

1904 wird die Kapelle abgerissen, und als neuen Bauplatz schlägt die Gemeinde den neuen Friedhof, der Landrat aber den Garten der Familie Schmidt in der Mitte des Dorfes vor. Nach zweijährigen Papierkrieg einigt man sich auf den Platz im Dorfzentrum. Um die Kostenfrage zu klären sind weitere fünf Jahre nötig. Die Gesamtkosten von 22 000 Mark werden schließlich durch die Gemeinde (14 000 Mark) und das Land (6200 Mark) getragen.

Am 9. April 1911 wird der Grundstein gelegt, und am 21. Juli 1912 kann die Kirche durch Generalsuperintendent Möller eingeweiht werden. Kaiserin Auguste Viktoria stiftet die Altarbibel, die mit folgender Widmung versehen ist: „Der evangelischen Kirchengemeinde zur Einweihung am 21. Juni 1912. Aus Jeremia 1, V. 8: Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir und will dich retten, spricht der Herr.“ Auguste Viktoria.

Aus der alten Kapelle wurde die Orgel in die Kirche übernommen, das Kapellenportal wurde in die Umfassungsmauer der Kirche integriert.

1957 wurde der Kirchsaal angebaut und zum 50-jährigen Jubiläum 1962 erhielt die Kirche eine dritte Glocke, um mit dem 18-Uhr-Geläut den Abend einzuläuten. Gleichzeitig wurde der Innenraum umgestaltet und es wurden neue Fenster eingebaut.

Kirchlich gehört Guntershausen seit 1949 zu Rengershausen, die beiden bilden heute eine Kirchengemeinde. (ing)

HINTERGRUND

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