Predigt in Reimform kam gut an

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Gingen mit Humor zur Sache: Bei der Reimpredigt in der Crumbacher Kirche spielten sich der Welleröder Pfarrer Werner Pausch (links) und die Lohfeldener Pfarrerin Ingrid Ruhrmann-Brandt die Bälle zu.

Lohfelden. Einen etwas anderen Gottesdienst erlebten die Besucher am Faschings-Sonntag in der sehr gut gefüllten evangelischen Kirche zu Crumbach.

Im Mittelpunkt des Interesses der Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft „Kirche in der Söhre“ standen karnevalistisch anmutende Beiträge in gereimten Versen.

Schon das Anspiel von Organistin Maren Bultmann mit Leierkasten-Melodien vom Rummelplatz verriet, dass dieser kirchliche Abend einen eher ungewohnten Verlauf nehmen würde: Genauso launig kündigte Pfarrer Bernt Henning seine Lohfeldener Kollegin Ingrid Ruhrmann-Brandt und Pfarrer Werner Pausch (Wellerode) als die Hauptakteure an: Woll‘n wir sie reinlasse, brauche man bei diesen „relativ gut erhaltenen Dinosauriern“ ja eigentlich nicht zu fragen, „weil sie schon lange da sind“, sagte der Seelsorger. Um es vorweg zu nehmen: Die Reimpredigt der beiden Seelsorger war eine gut dosierte Mischung aus der biblischen Geschichte von Joseph und seinen Brüdern mit einem kräftigen Schuss Lokalkolorit über aktuelle Ereignisse in der Söhre-Region.

Ingrid Ruhrmann-Brandt und Werner Pausch verstanden es, ihre gleichermaßen zum Schmunzeln und Nachdenken anregenden Verse an markanten Stellen geschickt überzuleiten. Wie etwa beim Wechsel vom Streit unter Josephs Söhnen auf die Persiflage über einen Geschwisterstreit zwischen den Kirchengemeinden Lohfelden und Vollmarshausen.

„Selbst in der Kirche gibt es den, das konnt‘ man in Lohfelden sehn“, frozzelte der Welleröder Seelsorger über das Hick-Hack im Vorfeld der Kirchenwahlen. Zu Werner Pauschs Themen gehörten auch der Baumschnitt in Lohfelden und die Freibad-Rettung in Wattenbach. Im klassischen Teil der Andacht bestand die junge Vikarin Maraike Heymann aus Lohfelden ihre erste große Aufgabe vor so vielen Gottesdienstbesuchern mit Bravour. Der Kirchenchor unter der Leitung von Wolfgang Fanert begeisterte mit „Freedom is Coming“ und einem afrikanischen Trommelsong: „Solange wir singen, gibt es Zukunft auf der Erde“, klang es von der Empore der Kirche. Am Schluss gab es viel Beifall für ein gelungenen Event. (ppw)

Auszüge aus der Reim-Predigt:

Zum Lärmschutz in Lohfelden

Als störend wird der Verkehr empfunden,

dieweil er mit Geräusch verbunden…

Und so baut man auf die Schnelle

in Lohfelden Lärmschutzwälle.

Fest gemauert in der Erden

stehen dort nun Wall um Wall

aus Beton und Sand und Erden

wie Barrikaden gegen Krawall.

Anmutig schön wie Waschbeton

sprechen sie jeder Ästhetik Hohn.

(Auszug aus einem Reim

von Pfarrer Werner Pausch)

Von Joseph und seinen Brüdern

Geschwisterneid, Geschwisterstreit

und das daraus erwachs’ne Leid…

Wie schön das früher ist gewesen,

das können wir bei Mose lesen.

Vom Stammvater Jakob hör‘n wir da,

und seiner großen Kinderschar.

12 Söhne nannte er sein eigen,

doch tat sich ganz allmählich zeigen:

Dass Joseph ihm am Liebsten war

von der gesamten Söhne-Schar…

(Auszug aus einem Reim von Pfarrerin Ingrid Ruhrmann-Brandt) (ppw)

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