Lohfelden ändert Mobilitätskonzept für Passivhaus-Siedlung – Großes Interesse an Grundstücken

Private Stellplätze nun erlaubt

Baugebiet: Auf der Brachfläche wird die Passivhaus-Siedlung entstehen. Im Hintergrund ist der 2010 errichtete Tegut-Markt in Lohfelden zu sehen. Foto: Schindler

Lohfelden. Nach erheblichem Protest von Seiten Bauwilliger in Lohfelden hat sich die Gemeinde bewegt und ein neues Mobilitätskonzept für die geplante Passivhaus-Siedlung auf dem Lindenberg beschlossen.

Danach dürfen die Eigentümer auf ihren Grundstücken nun doch Stellplätze für ihre Autos errichten.

Dies war in einem ersten Planungsentwurf, der im vergangenen Herbst der Öffentlichkeit präsentiert wurde, untersagt. Danach sollten die künftigen Bewohner ihre Fahrzeuge ausschließlich auf zwei zentralen Parkplätzen abstellen. Bauwillige waren bei einer Infoveranstaltung im vergangenen Oktober Sturm gegen diese Vorgaben gelaufen.

Auf den beiden Parkplätzen, die auf zusammen 21 Stellplätze zusammengestrichen werden, sollen nun Besucher ihre Autos abstellen können, wenn kein Platz auf dem Grundstück ist. „Der Straßenraum soll als Lebensraum und Spielstätte frei bleiben“, sagte Bürgermeister Michael Reuter (SPD) während der Gemeindevertretersitzung.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, meinte Reuter. Das zeige auch die riesige Nachfrage nach den Grundstücken in der Passivhaus-Siedlung: 170 Interessenten hätten sich bisher um eines der 70 Baugrundstücke beworben. Man werde versuchen, die Grundstücke „möglichst gerecht und diskriminierungsfrei“ zu vergeben.

Der Passivhaus-Standard soll in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, die jeder Grundstückskäufer unterschreiben muss, festgeschrieben werden.

Um das Vorhaben umzusetzen, hat das Gemeindeparlament jetzt einstimmig den Bebauungsplan auf den Weg gebracht. Nun sollen Öffentlichkeit und Ämter an dem Planverfahren beteiligt werden.

Sprecher aller Fraktionen äußerten sich zustimmend bis euphorisch über die Passivhaus-Siedlung. Das Baugebiet sei ein Meilenstein auf dem Ziel der Gemeinde, bis 2030 CO2-neutral zu werden, sagte Dr. Eike Bornmann (SPD). Das neue Mobilitätskonzept komme vor allem Familien mit kleinen Kindern entgegen.

„Wir trotzen dem demografischen Wandel“, sagte Birgit Kaiser-Wirz (CDU) über das große Interesse an den Baugrundstücken. Ein Problem könne allerdings die geringe Zahl der Stellplätze für die geplanten Reihenhäuser sein.

Begeistert äußerte sich Dr. Christoph Brake (Grüne) über das Modellprojekt, das mit Unterstützung des Landes Hessen verwirklicht werden soll. Die Kehrtwende bei den Parkmöglichkeiten nannte er allerdings enttäuschend, hier hätte die Gemeinde nach Ansicht des Grünen standhafter sein sollen. Bei der Umsetzung des Bauvorhabens müsse die Gemeinde auf die Einhaltung der ökologischen Vorgaben durch die Bauherren achten.

Dies solle mit geringem Aufwand durch die öffentlich-rechtliche Vereinbarung geschehen, sagte Bürgermeister Reuter. Eventuelle Strafgelder sollten in ökologische Projekte in Lohfelden fließen.

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Von Holger Schindler

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