Projekt des Kreises Kassel: Asylbewerber im Praktikum

Integration durch Arbeit: (von links) Maurermeister Paul Baumgart zeigt dem Asylbewerber im Praktikum Abraham Ateworki Berhane im Bildungszentrum Kassel, wie man Naturstein verlegt. Foto: Schippers

Ein Projekt des Landkreises Kassel für Asylbewerber ist gestartet. Mithilfe von Kurzzeit-Praktika sollen Flüchtlinge künftig für den deutschen Arbeitsmarkt qualifiziert werden.

In der Halle des Ausbildungszentrums der Bauwirtschaft (ASK) herrscht reges Treiben. Überall wird gehämmert, geklopft und gepflastert. Mittendrin verlegt Abraham Ateworki Berhane Naturstein. Das Baugewerbe ist ihm nicht fremd - in seiner Heimat Eritrea arbeitete der 26-Jährige als Bauleiter. Nun hat er ein zehntägiges Praktikum im Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft (ASK) absolviert. Damit ist er der erste Asylbewerber, der im Rahmen eines Projektes des Landkreises Kassel für den deutschen Arbeitsmarkt durch Kurzzeit-Praktika qualifiziert werden soll.

Seit eineinhalb Jahren lebt Berhane nun schon in Deutschland. Arbeiten durfte er bislang nicht. Das verbietet das Asylbewerberleistungsgesetz. Doch der Kriegsflüchtling möchte arbeiten, möchte seine Tage nicht länger untätig in der Gemeinschaftsunterkunft Pommernanlage verbringen. Nicht arbeiten zu dürfen, empfindet er als Strafe: „Das ist wie im Gefängnis.“ Er möchte die deutsche Sprache lernen und eine Ausbildung machen. Man müsse ihm nur die Möglichkeit dazu geben, sagt der junge Mann.

Dementsprechend engagiert ist er bei seinem unbezahlten Praktikum, das der Integrationsmanager des Landkreises, Bijan Otmischi, ihm vermittelt hat. „Er ist sehr sympathisch und hoch motiviert“, erzählt der Ausbildungsleiter der ASK, Rolf Brödner. Auch Ausbildungsmeister Ralf Baumgart ist angetan: „Herr Berhane ist interessiert und macht seine Sache sehr gut.“ Zwar gebe es eine sprachliche Barriere, „aber mit Händen und Füßen kriegen wir das hin“, so Baumgart.

Nach seinem Praktikum wird Berhane in dem Projekt Sababurg des ASK mitarbeiten. In Zusammenarbeit mit dem Landkreis Hofgeismar und dem Jobcenter Landkreis Kassel wird dort die alte Kutscherscheune mit Teilnehmern vom Jobcenter umgebaut. Berhane wird ein Apartment in Hofgeismar zur Verfügung gestellt - für ihn ein erster Schritt in Richtung Selbstständigkeit.

Um direkt eine Ausbildung zu beginnen, ist die Sprachbarriere noch zu hoch. „Seine Deutschkenntnisse reichen für die schulische Leistung einfach nicht“, sagt Brödner. Aber der Ausbildungsleiter ist zuversichtlich: „Vielleicht ist Herr Berhane im Frühjahr so weit. Wir könnten ihn gut gebrauchen.“ Denn, so erklärt Brödner, „der demografische Wandel schlägt auch bei uns im Baugewerbe durch. Wir haben Schwierigkeiten, die jährlich rund 80 freien Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Und das Problem werde immer größer. „Wenn Flüchtlinge eine Möglichkeit sind, den Bedarf zu decken, dann gehen wir diesen Weg gerne“, so Brödner. Von dem Projekt profitiert also nicht nur Berhane.

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