Landkreis und Kommunen im Kasseler Osten lehnen Bau weiterer Höchstspannungsleitungen ab

Protest gegen neue Stromtrassen im Landkreis Kassel

Reichlich Masten in der Landschaft: Wie hier bei Niederkaufungen ist das Landschaftsbild schon heute stark von Hochspannungsleitungen belastet. Die geplante 380-kV-Leitung soll zwar die vorhandenen Leitungen auf bis zu 65 Meter hohen Masten bündeln, doch gegen den Bau von zwei weiteren Stromautobahnen durch den Kasseler Osten ab 2020 regt sich bei Kommunen und Landkreis bereits heute Protest. Unser Bild entstand im Herbst dieses Jahres. Foto: Stier

Kaufungen. Die Gemeinden im Kasseler Osten und der Landkreis Kassel haben sich gegenüber der Bundesnetzagentur gegen den Bau von zwei weiteren Höchstspannungs-Freileitungen ausgesprochen. Mensch und Natur seien durch Autobahnen, die bereits vorhandenen Hochspannungsleitungen, die geplante 380-KV-Leitung Wahle-Mecklar und die Kalilaugen-Pipeline von Heringen zur Weser schon heute über Gebühr belastet.

Mehr, so die Kommunen in ihren Stellungnahmen, sei nicht vertretbar und zu akzeptieren. „Warum muss alles im engen Ballungsraum im Kasseler Osten verlaufen?“

Kaufungens Bürgermeister Arnim Roß (SPD) sprach von einem „Nadelöhr“, das durch die Bündelung der vielen Ver- und Entsorgungsleitungen geschaffen würde. „Warum muss alles im engen Ballungsraum im Kasseler Osten verlaufen?“, fragte der Verwaltungschef. Die Gemeinde hat ihren Protest gegen die beiden zusätzlichen Leitungen bei der Bundesnetzagentur angemeldet.

Das haben auch die Nachbarn aus Lohfelden, Niestetal und Fuldabrück getan. Bisher, so Niestetals Bauamtsleiter Peter Lieder, liefe zwar nur „ein Vorverfahren für das Vorverfahren“. Gleichwohl müsse schon heute Widerstand geleistet werden. Lieder: „Hier passieren Dinge, die nicht für Mensch und Natur verträglich sind.“

Ob die Kommunen tatsächlich Chancen haben, derartige überregionale Projekte im Zuge der Energiewende zu verhindern, beurteilt Lieder skeptisch: „Da regiert das Prinzip Hoffnung.“

Auch Kreissprecher Harald Kühlborn äußerte sich zurückhaltend, was die Erfolgsaussichten im Kampf gegen zu viele Stromleitungen auf engstem Raum angeht. „Wir gehen mittlerweile davon aus, dass im jetzigen Planungsstand unsere Bedenken keine Rollen spielen werden und wir erst im formalen Verfahren konkrete Anregungen als betroffene Gebietskörperschaften äußern können“, erklärte Kühlborn.

Belastung wird gebündelt

Problematisch sei insbesondere die Absicht von Tennet, die Stromtrassen zu bündeln. Der Kreissprecher: „Damit werden eben auch die Belastungen gebündelt. Wir wären dann mit Blick auf die Salzleitung wirklich gebeutelt.“

Für Niestetal und Kaufungen wären zusätzliche Einschränkungen bei der Entwicklung von Gewerbeflächen möglich. So könnten die Stromleitungen unter Umständen das Gewerbegebiet „Sandershäuser Berg“ mit der möglichen Erweiterungsfläche Richtung Norden beeinträchtigen, befürchtete Niestetals Bauamtsleiter Lieder. Gleiches gelte für das gemeinsam mit Kaufungen geplante Gewerbegebiet „Heiligenrode Süd“, das derzeit schon wegen der offenen A-44-Planung auf Eis liegt.

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