Protest gegen Schweinestall bei Baunatal-Guntershausen

Wehren sich gegen das Vorhaben: Jürgen Fischer (von links), Vermieterin Sandra Werner und Annette Fischer. Vom Balkon des Hauses am Grifter Weg geht der Blick ins Grüne. Auf der Höhe soll der Mastbetrieb entstehen. Foto: Kühling

Baunatal. „Es ist weit mehr als die Geruchsbelästigung. Es geht um unser kleines Paradies.“ Annette Fischer, Anwohnerin des Grifter Weges in Guntershausen, bringt ihre Befürchtungen auf den Punkt.

In Sichtweite von dem am Ortsrand gelegenen Straßenzug soll ein neuer Schweinemastbetrieb mit knapp 1200 Tieren entstehen. Einige Bewohner des Baunataler Stadtteils wehren sich gegen das Vorhaben des Guntershäuser Landwirts Axel Schmidt.

„Das wird vor ein Wohngebiet gesetzt“, betont auch Ehemann Jürgen Fischer. Schließlich sei bekannt, dass aus einem solchen Mastbetrieb neben Gestank auch aufgrund der Verabreichung von Antibiotika an die Tiere multiresistente Keime entwichen. Das habe zudem negative Auswirkungen auf das benachbarte Marie-Behre-Altenpflegeheim und auf zwei Betriebe von Bio-Landwirten, deren Felder rings um das Gelände des Mastbetriebes liegen, sagt der 57-Jährige.

Und das ist nach Angaben des Investors geplant: Auf der Höhe zwischen Guntershausen und Grifte soll ein Stall für 1188 Schweine gebaut werden. Der Abstand zum Ort betrage 600 Meter. „Der Bauantrag wurde im März gestellt“, erläutert Schmidt. Der Baubeginn erfolge noch in diesem Jahr. Fertig sein solle der Komplex im Frühjahr 2014. Laut Schmidt wurden insgesamt sechs Standorte geprüft, übrig blieb diese Fläche. Gutachten seien dazu angefertigt worden mit dem Ergebnis, „dass für die bestehenden Wohnbebauungen in Guntershausen und Grifte keine unzulässigen Geruchswahrnehmungen zu erwarten sind“.

Ganz anders sieht das Bio-Landwirt Eckhardt Eisenach. „Der Betrieb liegt auf einer Insel zwischen biologisch bewirtschafteten Feldern“, sagt er. „Die Abluft geht auf unseren Flächen nieder. „Ich sehe ein Riesenproblem auf uns zurollen.“

Eckhardt Eisenach

Genehmigungsbehörde ist der Landkreis Kassel. „Der Bauantrag liegt vor“, bestätigt Kreissprecher Harald Kühlborn. Gutachter und alle öffentlichenStellen hätten positive Stellungnahmen abgegeben. Untersucht werde allerdings noch, ob der Standort inmitten der Felder der Bio-Landwirte Auswirkungen auf derene Zertifizierung haben könnte. Ein Ergebnis dazu liege noch nicht vor.

Im Rahmen des Verfahrens wurde auch die Stadt Baunatal gehört. Der Magistrat habe keine Einwände gegen das Projekt, so Baunatals Erste Stadträtin Silke Engler. Das Rathaus wünsche sich allerdings zwei Auflagen. Erstens dürfe die Zahl der Schweine nicht über 1200 steigen. Und wenn die Geruchsbelästigung real über den Werten der Gutachten liege, müsse der Betreiber nachbessern.

Hauseigentümerin Sandra Werner jedenfalls will bei einem positiven Bescheid des Kreises eine Anfechtungsklage einleiten.

Von Sven Kühling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.