A44: Zählung belegt Anstieg des Verkehrs

Mautflüchtling: Die B 7 ist für Lkw mit mehr als 12 Tonnen Gewicht gesperrt, nur Lastwagen im örtlichen Lieferverkehr dürfen die Straße befahren. Unser Foto entstand auf der B 7 bei Kaufungen-Papierfabrik. Bei dem holländischen Lastwagen handelt es sich offenbar um einen Mautflüchtling, der die gebührenpflichtige Autobahn umfährt. 2 Fotos: privat/nh

Kaufungen/Helsa. Nach einer Verkehrszählung in Anliegergemeinden der künftigen A 44 geht die Kaufunger Wählergemeinschaft (KWG) von chaotischen Verhältnissen auf den künftigen Umleitungsstrecken mitten durch die betroffenen Gemeinden aus.

Die KWG hatte Anfang April den Verkehr in Walburg (Werra-Meißner-Kreis), Kaufungen und Helsa gezählt und die Zahlen hochgerechnet. Das Ergebnis: In den Gemeinden würde bei einer Vollsperrung der A 44 etwa nach einem Unfall der Verkehr um 58 Prozent in die Höhe schnellen.

„Erschreckend“ nannte KWG-Vorsitzender Klaus Höfgen diese Zahl, Kaufungen werde „im Verkehr untergehen“. Der Weiterbau der A 44 müsse umgehend gestoppt werden, bevor die Anliegergemeinden im Chaos versänken und weitere Millionensummen an Steuergeld ausgegeben würden.

Strichliste: Silke Does aus Kaufungen zeigt einen der Bögen, auf denen die Zahl der Fahrzeuge festgehalten wurde.

In 30 Briefen an Politiker in Berlin und Wiesbaden – darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, Verkehrsminister Peter Ramsauer, Ministerpräsident Volker Bouffier und Wirtschaftsminister Florian Rentsch – machte die KWG die Verkehrszahlen und ihre Forderungen jetzt publik. Der Sprecher des hessischen Verkehrsministeriums, Marco Krause, wies die Zahlen auf Nachfrage der HNA als „nicht nachvollziehbar“ zurück. Interessant sind auch zwei weitere Aspekte der Verkehrszählungen vor Ort. So wurden pro Stunde 90 Lkw auf den Straßen gezählt – Mautflüchtlinge, die aufgrund des Fahrverbots für den Lkw-Durchgangsverkehr gar nicht auf der B 7 unterwegs sein dürfen. Das Fahrverbot werde viel zu wenig kontrolliert, kritisiert Höfgen.

Auch eine andere Zahl lässt aufhorchen. So sind nach der Hochrechnung der KWG-Zahlen auf 24 Stunden auf der A 44 etwa 22.000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs. Das Ministerium geht laut Sprecher Krause in seiner Prognose für das Jahr 2025 von 19.000 bis 42.000 Kraftfahrzeugen aus. 1992, als die Planungen für die A 44 begannen, hatte man noch 60.000 Fahrzeuge pro Tag prognostiziert.

Für die KWG bedeutet dies, dass die Autobahn 44 gar nicht notwendig ist. Der überregionale West-Ost-Verkehr könne über die bereits fertiggestellte A 38 Göttingen – Halle fließen. In unserer Region reiche eine ertüchtigte B 7. Zur Diskussion um den Wegfall der B 7 bei Kaufungen hat Höfgen eine klare Meinung: „Was weg muss, ist nicht die B 7, sondern die geplante Autobahn.“

So wurde gezählt

Ausgangspunkt der Verkehrszählung war eine Sperrung des bereits fertig gestellten A 44-Teilstücks bei Walburg wegen einer routinemäßigen Tunnel-Überprüfung. Die freiwilligen Zähler aus Kaufungen registrierten die Fahrzeuge in der Ortsdurchfahrt von Walburg während der Sperrung und eine Woche später, als die Autobahn wieder frei war. Im Normalbetrieb waren zwischen 14 und 17 Uhr 1720 Fahrzeuge in der Ortsdurchfahrt von Walburg unterwegs, während der Sperrung der Autobahn erhöhte sich die Zahl auf 2713 Wagen – eine Steigerung um 58 Prozent.

Dieser Faktor wurde dann auf Kaufungen und Helsa übertragen, wo die A 44 zwar noch nicht existiert, aber der annähernd gleiche Verkehr auf der Autobahn fließen wird. Wegen der Annahme, dass jede neue Autobahn zusätzlichen Verkehr anzieht, wurde ein weiterer Faktor von 20 Prozent eingerechnet. Für Kaufungen bedeutet dies im Ergebnis: Statt der real gezählten 2713 Fahrzeuge in Oberkaufungen (14 bis 17 Uhr) wären bei einer Sperrung der Autobahn 5144 Autos auf der Ortsdurchfahrt unterwegs. Durch Helsa würden sich statt der gezählten 2658 Autos 3181 Fahrzeuge quälen (ein Teil der Fahrzeuge Richtung Großalmerode wurde herausgerechnet, die Helsa möglicherweise umfahren würden). (hog)

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