Prozess: Insassinnen des Frauengefängnisses Kaufungen wollten fliehen

Doppelte Illusion: In die weite Landschaft, die das Wandgemälde im Frauengefängnis Kaufungen verheißt, zog es zwei Insassinnen. Doch die Fluchtpläne scheiterten.

Kassel/Kaufungen. Ein Loch in einer Wand sollte zwei Insassinnen des Frauengefängnisses in Kaufungen den Weg in die Freiheit öffnen. Das Unternehmen scheiterte.

Dann soll das Duo im November 2010 versucht haben, eine Justizvollzugsbeamtin zu überwältigen und ihr den Schlüssel wegzunehmen. Auch das misslang.

Gefangenenmeuterei und Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft den beiden vor, seit Montag sitzen sie auf der Anklagebank des Amtsgerichts. „Wir haben rumgesponnen, das wir zusammen abhauen würden“, sagte die 28-Jährige, die gegenwärtig auf freiem Fuß ist. Sie hatte zum Tatzeitpunkt nur noch wenige Monate abzusitzen, trotzdem war es verlockend, zwar illegal, doch dafür etwas eher zu verschwinden.

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Von Kokain und Heroin abhängig, war sie zum Entzug in Kaufungen gelandet, ihr fehlte der Stoff, und den hoffte sie draußen zu finden. Die 34-jährige Mitangeklagte wurde ihre Vertraute, gemeinsam heckten sie den Plan aus, ein Loch in eine Wand zu schlagen. Ein paar Zentimeter arbeiteten sie sich in Richtung Freiheit vor, doch die beiden sahen ein, dass dieser Weg so schnell nicht nach draußen führen würde.

Der neue Plan sei gewesen, einen Mitarbeiter aus dem Wachpersonal zu überwältigen und mit einem Schlüssel hinaus zu gelangen. Jedenfalls behauptete das die 28-Jährige vor Gericht. An jenem Sonntag, als nur zwei Beamte Dienst hatten, witterte sie in einer Rauchpause auf dem Hof eine Chance: Sie packte sich eine mit der Aufsicht betraute Beamtin und drückte ihr die Scherbe eines Spiegels an den Hals, mit der anderen Hand versuchte sie, ihr einen Knebel in den Mund zu stopfen.

Die 34-Jährige habe der Beamtin den Schlüssel wegnehmen sollen, doch dann das Weite gesucht. Eine andere Gefangene, die Hilfeschreie gehört hatte, zog die 28-Jährige von der Beamtin weg und beendete damit die Aktion.

Die angebliche Komplizin bestritt, etwas mit dem Plan zu tun gehabt zu haben. „Ich weiß nicht, warum sie mich da mit reinzieht.“ Zwar hätten die beiden versucht, ein Loch in die Wand zu stemmen, doch das sei nur „Langeweile“ gewesen. Von dem Angriff auf die Wachbeamtin sei sie während der Rauchpause überrascht worden.

Von „Todesängsten“, berichtete die 38-jährige Beamtin. Sie ist überzeugt davon, dass die 34-Jährige ihr den Schlüssel abnehmen wollte, die andere Frau hätte gar keine Hand dafür frei gehabt, weil sie mit Scherbe und Knebel genug zu tun gehabt hätte. Zum Fortsetzungstermin am 12. Mai sollen zwei weitere Gefangene, die den Vorfall beobachtete haben wollen, eine Aussage machen.

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