In Lohfelden wurde ein Buch vorgestellt, das Gewalt gegen Frauen dokumentiert

Prügel und Prostitution

Klaus Steffek (links) eröffnete die Veranstaltung in der Lohfeldener Bücherei: Mit auf dem Bild sind die Rezitatorin Gudrun Sander (4. von links) und Otti Meyer (rechts) von Plan International (rechts). Foto: Wohlgehagen

Lohfelden. Von mutigen Frauen und von ihrer Flucht aus Gewalt und moderner Sklaverei erzählt das Buch „In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum“. Im Rahmen der Aktionen zur Beendigung jeder Form von Gewalt gegenüber Frauen las Gudrun Sander in der Lohfeldener Gemeinde- und Schulbücherei aus dem Buch vor.

Die Rezitatorin trug während der Veranstaltung der Gemeinde Lohfelden zunächst den Leidensweg einer jungen Frau aus Syrien vor. „Ayla“ sollte mit ihrem Cousin in Deutschland verheiratet werden. Weil sie sich gegen die Zwangsheirat wehrte, wurde die damals 14-Jährige von ihrem Bruder vor den Augen der Verwandten brutal verprügelt. Erst später in Deutschland gelang es der jungen Frau, nach der Scheidung von ihrem mittlerweile inhaftierten Ehemann, zaghafte Schritte aus der Bedrohung durch ihre Familie zu wagen.

Nicht besser erging es „Maria“, einer russisch-stämmigen Litauerin. Sie war erst 18 Jahre alt, als sie in Deutschland brutal vergewaltigt und zur Prostitution in Clubs gezwungen wurde. Für sie folgten schlimme Jahre, bestimmt von Prügeln des Zuhälters, Partys mit Drogen und hohen Schulden. Nach Aussagen bei der Polizei und vor Gericht gelang der inzwischen 21-jährigen Frau mit Hilfe der Schutzorganisation „Terre des Femmes“ der Ausstieg.

Organisationen wichtig

Eine Untersuchung in 71 Ländern habe belegt, dass bis zu 49 Prozent der Frauen durch ihre Intimpartner Gewalt erleben müssen, sagte die Frauenbeauftragte der Gemeinde Lohfelden, Karin Schnell. Deshalb sei die Arbeit der Schutzorganisationen so wichtig. Otti Meyer leitet in Helsa die Aktionsgruppe der Schutzorganisation „Plan International“. Sie beklagte, dass in Nepal siebenjährige Mädchen als Haushaltssklaven verkauft werden und berichtete über das grausame Ritual der Beschneidung von Frauen. Der 1. Beigeordnete der Gemeinde Lohfelden, Klaus Steffek (SPD), kritisierte, dass in Deutschland 40 000 Plätze für von Gewalt verfolgte Frauen fehlen. Das vorgestellte Buch und weitere Bücher zum Thema können in der Gemeinde- und Schulbibliothek Lohfelden ausgeliehen werden. Kontakt: Plan International, Aktionsgruppe Helsa, Tel.: 0 56 02/9 19 47 92.

Von Hans-Peter  Wohlgehagen

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