Leiter versteht die Welt nicht mehr

PTA-Ausbildung: Willy-Brandt-Schule in Kassel doch vor dem Aus

+
Nur noch bis 2016 Standort : Die PTA-Ausbildung an der Willy-Brandt-Schule läuft aus.

Kreis Kassel. Schlechte Nachrichten für die Willy-Brandt-Schule in Kassel: Ihr Ausbildungszweig für Pharmazeutisch-Technische-Assistenten (PTA) kann nicht über das Schuljahr 2015/16 hinaus weitergeführt werden.

Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte die Schule vom Landkreis Unterstützung zugesagt bekommen und neue Schüler aufgenommen.

Nun aber steht die PTA-Ausbildung in Kassel doch vor dem Aus. „Das Hessische Sozialministerium hat uns mitgeteilt, dass bereits ab diesem Jahr keine weitere Förderung des Landes und des Europäischen Sozialfonds mehr gewährt wird“, sagte Bruno Kramer, Geschäftsführer der Arbeitsförderungsgesellschaft im Landkreise Kassel (Agil), die Träger der Lehranstalt ist.

Die 35 Schüler, die für den Ausbildungsbeginn zum Schuljahr 2014/15 bereits eine Aufnahmezusage erhalten haben, werden die zweijährige Ausbildung an der PTA-Schule aber abschließen können. Agil habe sich trotz der wegfallenden Fördermittel für den Vertrauensschutz für die jungen Menschen entschieden, so Kramer. Eine Weiterführung über 2016 hinaus sei aus Eigenmitteln allerdings "vollkommen unmöglich".

Das in der Übergangszeit bis 2016 entstehende Defizit werde am Ende vom Landkreis Kassel zu tragen sein, da Agil die Summe nicht schultern könne, so Kramer weiter. Kreissprecher Harald Kühlborn ergänzte, der Kreisausschuss habe dem Auslaufmodell zugestimmt und damit „Verantwortung für die auf die Zusage bauenden Auszubildenden übernommen“.

Schulleiter Reiner Heine sagte, er verstehe die Welt nicht mehr: „PTA-Fachkräfte werden gebraucht, Bewerber gibt es ausreichend und auch die Lehrkräfte sind vorhanden“. Bloß weil die Schule zufällig dem Sozialministerium und nicht dem Kultusministerium unterstellt sei, stünde die fest in Nordhessen verwurzelte Einrichtung jetzt vor dem Aus. „Faktisch sind wir eine öffentliche Schule, rechtlich aber eine private Schule. Das rächt sich jetzt“, erklärte Heine.

Er kündigte an, Gespräche mit allen Betroffenen zu initiieren, um doch noch eine Lösung zu finden. „Wir werden darum kämpfen, dass es weitergeht“. Ein Ansatz zur Rettung sei, einen neuen Träger für die PTA-Schule zu finden. „Spätestens wenn die Apotheken merken, dass sie Arbeitskräfte brauchen, müssen Wege gefunden werden“, gab Heine zu Bedenken.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1968 hat Deutschlands älteste PTA-Schule Fördermittel des Landes und aus Europäischen Förderprogrammen erhalten. Zuletzt waren dies 172.000 Euro jährlich. Damit konnte jeder Ausbildungsplatz mit 125 Euro monatlich unterstützt werden. Zusätzlich zahlen die Schüler aus dem Landkreis ein monatliches Schulgeld in Höhe von 169 Euro, externe Schüler kostet der Schulbesuch 196 Euro.

„Bei diesem finanziellen Engagement der Schüler ist eine Steigerung zum Auffangen der wegfallenden Förderung unmöglich“ erläuterte Kramer. Auch die Kosten der Ausbildung könnten nicht gesenkt werden. „Die PTA-Ausbildung hat ein hohes Niveau und ist nicht billiger zu organisieren“, stellte er klar.

Von Nicole Schippers

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.