Querschnittsgelähmter aus Kaufungen bietet seiner Behinderung erfolgreich Paroli

Glücklich auf drei Rädern: Christian Glötzer macht mit seinem Handbike gern auch Ausflüge in der Region. Im Winter trainiert er seine Muskeln, um nicht außer Form zu geraten. Foto: Dilling

Kaufungen. Querschnittsgelähmte haben es schwer, einen normalen Alltag zu bewältigen. Häufig sind sie auf Hilfe angewiesen. Es ist beschwerlich, mit dem Rollstuhl längere Wege zurückzulegen.

Christian Glötzer, der seit seiner Geburt wegen einer schweren Krankheit nicht gehen oder laufen kann, bietet seinem Leiden schon seit seiner Kindheit erfolgreich Paroli. Der heute 30-Jährige ist mobiler und unternehmungslustiger als so mancher seiner Altersgenossen.

Das Fahrzeug, das ihm trotz der Behinderung seit 20 Jahren Unabhängigkeit beschert, hat drei Räder und ist ein Zwitter aus Rollstuhl und Fahrrad, ein Handbike: Den Rollstuhl mit seinen beiden großen Laufrädern kuppelt Glötzer an das Vorderteil eines Rads an. Statt Pedalen hat er eine Handkurbel in Brusthöhe, eine 21-Gang-Schaltung sorgt für Tempo. Wenn der Kaufunger, der sein Geld als Verwaltungsangestellter bei der Führerscheinstelle des Landkreises verdient, unterwegs mal einen Kaffee trinken will oder ihn ein dringendes Bedürfnis plagt, ist das kein Problem: Der Rollstuhl wird abgekuppelt, und weiter geht’s. „Das Rad ist unglaublich flexibel“, sagt Glötzer.

„Wie eine Schrankwand“

Früher hat Glötzer mit seinem Gefährt bei großen Laufwettbewerben von Nichtbehinderten mitgemacht, sogar in Holland und beim Würzburger Residenzlauf, dem schnellsten Zehn-Kilometer-Lauf Deutschlands. Auch beim Kaufunger Silvesterlauf ist er schon zweimal gestartet. Die Fahrt mit dem Handbike ist eine schweißtreibende Angelegenheit. „Es hat einen Luftwiderstand wie eine Schrankwand. Und ab einer Steigung von neun Prozent fängt es an, kriminell zu werden“, sagt Glötzer. Wohl auch deshalb erntet er viel Anerkennung: „Ich werde von den Läufern oft angesprochen. Manche klopfen mir auf die Schulter“, sagt der 30-Jährige. Glötzer gehört dann einfach dazu, die Behinderung spielt keine Rolle.

Demnächst will der Kaufunger beim Eon-Marathon in Kassel zur Vorbereitung auf eine geplante Benefiztour (siehe Bericht unten) mitfahren und hofft, dabei als Handbiker nicht allein zu sein. Beim Vorlauf zum Marathon sei nur noch ein weiterer Sportler mit diesem Gerät angetreten, berichtet er.

Western-Reiten

Glötzer überschreitet aber auch auf anderen Gebieten Grenzen, die einem so stark gehandicapten Menschen scheinbar gezogen sind. Er fährt Mono-Ski in den Alpen und liebt das Western-Reiten, in seinem Wohnzimmer übt er Lassowerfen. In der Welt ist der 30-Jährige schon ganz schön herumgekommen. Mit seinen Eltern war er zuletzt in Thailand. In den USA und Kanada war er sogar auf eigene Faust unterwegs, den Rollstuhl immer im Gepäck.

Von Peter Dilling

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.