Der Mariendorfer Landwirt Marcel Radanovic fürchtet um seine Schafherde

Raben töten 16 Lämmer

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Dieses Lamm hat seine Geburt ohne Verletzungen überlebt: Der Mariendorfer Landwirt Marcel Radanovic hat in diesem Winter bereits 16 Jungtiere verloren. Sie fielen aggressiven Raben zum Opfer. Das Lamm und seine Mutter kommen nun in den Stall.

Immenhausen. Der Anblick ist nichts für Zartbesaitete. „Den toten Lämmern fehlen die Augen, ihre Leiber sind übersät von Hackspuren“, sagt Marcel Radanovic. Der Mariendorfer Landwirt hat seit Anfang Dezember 16 Lämmer verloren.

Sie alle sollen Opfer von Raben geworden sein. Die gefräßigen Vögel stürzten sich auf die lammenden Schafe und töteten die Tierbabys, noch bevor ihr Leben begonnen hatte.

Das Problem sei nicht neu. „Aber es ist in den letzten Jahren größer geworden“, sagt der 30-jährige Schäfer, zu dessen Herde 200 Tiere gehören und der keine Ahnung hat, wie er seine Schafe schützen kann.

Als der Wolf durch den Reinhardswald streifte, habe ein Zaun den Räuber einigermaßen auf Distanz gehalten. „Aber was soll ich denn bei Angriffen aus der Luft machen?“ Der Jagdpächter ist schon ausgerückt und hat auf die Rabenkrähen geschossen. Doch die Vögel sind schlau. „Mittlerweile, wenn der Jäger mit seinem Auto in der Szenerie auftaucht, suchen sie das Weite“, meint Radanovic.

Aggressive Angreifer

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Das Problem seien die Zwillingsgeburten. Muttertiere, die nur ein Lamm zur Welt brächten, könnten sich gegen die aggressiven Angreifer zur Wehr setzen. Bei zwei Lämmern sei das schwierig. Das Mutterschaf könne sein Erstgeborenes nicht beschützen, da es mit der Geburt beschäftigt sei. Das sei der Moment, in dem die Raben zuschlügen.

„Sie picken den frischen Lämmern zunächst die Augen aus, dann stürzen sie sich auf die Innereien, und am Ende machen sie sich über das Fleisch her“, schildert Marcel Radanovic, der einst bei der RTL-Sendung "Bauer sucht Frau" teilgenommen hat, seine Erfahrung und die seiner Kollegen.

Solange es draußen genug Futter gibt und der Boden nicht hart wie Stein gefroren ist, weidet Radanovics Herde auf den Wiesen um Mariendorf. Das ist günstiger, als Futter zu kaufen.

Die Muttertiere und deren Junge, die die Geburt unbeschadet überstanden haben, schafft der junge Schäfer in den Stall. Die trächtigen Wollträger kann er jedoch nicht in den sicheren Unterstand bringen. „Ich müsste sie fangen, auf den Anhänger bugsieren und transportieren. Das ist zu viel Stress“, sagt der Mariendorfer.

Größere Population

Der Bauer beklagt, dass die Population der Rabenkrähen in den vergangenen Jahren größer geworden ist. „Die haben alle Hunger und suchen leichte Beute“, meint er. Früher durften die Jäger mit Gift präparierte Köder auslegen – das ist heute verpönt und streng verboten. „Den Schaden an der Herde ersetzt mir aber keiner“, sagt der 30-Jährige, der sein Geschäft mit dem Verkauf der Lämmer macht. Pro eingebüßtem Lamm rechnet er mit einem Verlust von 60 Euro.

Von Antje Thon

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