Radtourismus: Grill und Bootshaus im Visier

Einkehr erst am Nachmittag: Das Hexenhäuschen in Guntershausen öffnet später, weil wenig Radler kommen. Foto:  Dilling

Baunatal. „Früher gab es in Guntershausen eine Handvoll kleiner Gasthöfe. Diese Kultur ist weg“, sagt Dr. Klaus-Peter Lorenz. Der Mitarbeiter der Kreisvolkshochschule und Guntershäuser kennt sich mit der Geschichte des Dorfes gut aus. Von der gastronomischen Vielfalt des einstigen Eisenbahnknotenpunkts ist nur noch das „Hexenhäuschen“, die Gaststätte am Viadukt geblieben.

Renate Knierim, deren Inhaberin, macht erst am späten Nachmittag auf. Vorher lohne es sich nicht. Dabei verläuft der Radweg R1 kaum 200 Meter entfernt.

Seit Mai könen Pedaltouristen auf dem neuen Abschnitt Guntershausen-Grifte sogar weiter bis zur Nordsee radeln. Bei schönem Wetter sind viele Radler an der Fulda unterwegs. „Die Leute bleiben aber auf dem Radweg. Wir haben wenig davon“, sagt Knierim. Bevor dieser gebaut worden sei, sei die Gasstätte sogar besser gelaufen.

Touristisch profitiert der Ort momentan kaum von den Radlern, anders als stromabwärts Dittershausen, das mit einem großen Biergarten lockt. Dabei beobachtet Lorenz eine zunehmende Zahl von älteren Fahrradfahrern, die von Kassel nach Melsungen radeln. Der Anschluss an die Regiotram sei ideal, sagt er.

Auch Stefan Ebbrecht, Vorsitzender des Sportvereins, sieht das Potential der Fahrradtouristen. Nächstes Jahr werde man versuchen, an den Sonntagen eine Grillstation zu eröffnen, kündigt er an. Zu besonderen Gelegenheiten, wie dem Fulda-Radeln bewirtet der TSV jetzt schon Fahradgäste. Als „Zukunftsvison der nächsten Jahre“, so sagt Ebbrecht, schwebe ihm der Bau eines Bootshauses am Guntershäuser Ufer der Fulda vor.

„Das können wir aber ohne Partner nicht allein stemmen“, ergänzt Ebbrecht. Vielleidcht gelinge es, für dieses Projekt die Theodor-Heuss-Schule und das Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium ins Boot zu holen. Gastwirtin Knierim will sich allerdings nicht mit einem gastronomischen Angebot an der Fulda beteiligen. Denn dann brauche sie zusätzliches Personal, sagt sie.

Lorenz plädiert dafür, mit touristischen Projekten in Guntershausen vorsichtig umzugehen. Schließlich gebe es viele Besucher und Einheimische, die das Dorf gerade wegen seiner Beschaulichkeit lieben.

Bürgermeister Manfred Schaub äußert sich auf Anfrage sehr zurückhaltend zu den touristischen Aussichten Guntershausens. Da habe man im Rathaus in dieser Hinsicht keine Pläne in der Schublade. Für das Dorf sei Tourismus nicht das drängendste Thema. Man habe sowieso im Rathaus die Erkenntnis, solche Vorhaben zunächst mit den Bürgern abzusprechen.

Von Peter Dilling

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