Angelsportvereine an der Fulda klagen über große Einbußen durch Kormorane

Ein Räuber auf Fischzug

Lieblingsplatz: Dieser Kormoran wählte den Ahnepark in Vellmar mit seinen Teichen für einige Wochen als Revier. Auf der Skulptur „Eva“ trocknete er immer wieder seine Flügel. Fotos (2): Germandi

Fuldatal. Gut gelitten ist der Kormoran, Vogel des Jahres 2010, bei Michael Mazork nicht. Seit Jahren gebe es Probleme mit der Vogelart, sein Vorkommen sei im Bereich der Fulda rund um Kassel massiv, sagt der Vorsitzende des Angelsportvereins (ASV) Fuldatal. „Die Tiere betreiben Raubbau an den Fischbeständen“, sagt Mazork.

Ähnlich sehen dies Ernst-Otto Heinrich, Vorsitzender der Wilhelmshäuser Angler, und Erhard Hirdes (Bergshausen), der der übergeordneten Verbandgewässergruppe unteres Fuldatal vorsitzt. Ja, die Angelsportvereine „haben ganz erhebliche Einbußen“, sagt Hirdes. Denn der Kormoran mache alle Bemühungen zunichte, die Fischbestände in den Gewässern zu erhalten oder wieder aufzubauen.

Die Vereine stünden dabei auf verlorenem Posten. Hirdes verweist auf das Beispiel Eder. Dort sei die Äsche bis auf Restbestände dezimiert worden. Der Fisch komme in Schwärmen vor und schwimme an der Oberfläche. Die Äsche nehme den Kormoran nicht als Gefahr wahr, zeige daher nicht ihr natürliches Fluchtverhalten und werde so zur leichten Beute der Vögel.

„Intelligentes Tier“

Die findet der Angler durchaus faszinierend. „Der Kormoran ist ein intelligentes Tier, er jagt in Gemeinschaft mit einer beeindruckend tollen Technik“, meint Hirdes. Nur sei der Vogel, der am Tag rund 500 Gramm Fisch frisst, „hier nicht heimisch“.

Schwärme von 50 bis 80 Kormoranen tauchten seit Oktober an der Fulda auf, auch auf jenen 9,5 Kilometern von Bonaforth bis Speele, die der ASV Wilhelmshausen gepachtet hat, sagt Vorsitzender Heinrich. Entspannung gebe es nur, wenn die Staustufe im Ortsteil so viel Wasser ablasse, dass den Vögeln keine ausreichende Tauchtiefe für ihre Jagd zur Verfügung stehe.

Ansonsten jagten die Vögel sehr effektiv, bildeten mit ihrer Gruppe zum Beispiel einen Ring, aus dem die eingeschlossenen Fische nicht entkommen könnten. Gefangene, kleinere Fische schlucke der Kormoran herunter, größere, die er nicht erwische, würden häufig durch den Hakenschnabel verletzt. Diese Fische verendeten dann an Pilzerkrankungen, sagt der Vorsitzende.

Die Angler wollten den Kormoran „nicht ausrotten, nur dezimieren“, betont Heinrich. Auf eine generelle Regelung warte man aber seit Jahren. Noch brauche es eine Sondergenehmigung für den Abschuss von Kormoranen. Für sieben Tiere hatte man 2011 die Erlaubnis. Dieses Jagdrecht sei inzwischen verfallen, geschossen wurde nicht ein Kormoran. Denn Jäger hätten kein Interesse an den Vögeln. Heinrich: „Für die ist der Kormoran Sonderwild, das entsorgt werden muss.“

Das sagt der Landkreis

Der Abschuss von Kormoranen kann auf Antrag von der Unteren Fischereibehörde beim Landkreis Kassel genehmigt werden, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Dabei werde die Zahl der Vögel und der Fischbestand berücksichtigt und auf der Grundlage von Fischereigesetz und Bundesnaturschutzgesetz entschieden.

Die Quote der erlaubten Abschüsse, die sogenannte Vergrämungsgenehmigung, variiere. Ist eine Fischzucht betroffen, sei sie höher als bei betroffenen Flusskilometern. Aktuell bestehe eine Erlaubnis an der Fulda bei Fuldabrück von zehn Kormoranen. An der Diemel mit ihren Nebenflüssen und ansässigen Zuchtbetrieben dürften derzeit 25 Kormorane von Jägern geschossen werden. „Es gibt aber keinen Fall im Landkreis, bei dem die erlaubte Zahl erreicht wurde“, betont Kühlborn.

Gejagt werden dürfen die Tiere nur waidgerecht, also im Flug, ab einer halben Stunde vor Sonnenaufgang bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang.

Von vergrämen werde gesprochen, weil möglichst Kormorane auf Erkundungsflug abgeschossen werden sollen. Dies registrierten die schlauen Tiere und suchten sich andere, sichere Reviere. (mic)

Von Michael Schräer

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