In Simmershausen hausten Ortsfremde wochenlang in dem Treff – Erst die Polizei warf sie hinaus

Randalierer im Jugendzentrum

Beseitigen die Spuren der ungebetenen Gäste: (von links) Ivan Egorov, Marcel Münner, Jannik Kohl und Jugendarbeiter Hauke Rauschenbach. Fotos: Habich

Fuldatal. Sie verdreckten alles, beschädigten Möbel und ließen 30 Säcke Müll zurück. Im Jugendzentrum Simmershausen hausten drei Wochen lang ungebetene Gäste. Ortsfremde junge Leute hatten sich in den Räumen eingenistet, bis die Polizei sie am 14. Januar schließlich hinauswarf.

Angefangen hatte alles im vergangenen Dezember, als eine Jugendarbeiterin kurzfristig aufhörte. Pfarrer Peter Leppin überließ den Schülern, die sich auch sonst dort trafen, den Schlüssel fürs Jugendzentrum. Ein Umstand, den einige ortsfremde junge Leute ausnutzen.

„Ein Bekannter erzählte mir von zwei Freunden, die für eine Nacht eine Schlafgelegenheit suchten“, erzählt der 15-jährige Ivan Egorov. Er lässt sie in die Räume an der Kasseler Straße, für eine Nacht, wie er glaubt. Doch die Gäste, ein junger Mann aus Ahnatal und eine junge Frau aus Kassel, bleiben. Sie richten sich häuslich ein – und bekommen Besuch von Freunden.

Bis zu 50 Personen trafen sich nach Angaben der Simmershäuser Jugendlichen regelmäßig im Zentrum. „Sie tranken und rauchten, versuchten Geld von uns zu schnorren. Ab und zu holten sich sich Bockwürstchen von Rewe“, erinnert sich der 15-jährige Johannes Roßkopf. Die Jungen trauten sich nicht, die deutlich älteren Fremden hinauszuwerfen. Auch scheuten sie sich, Erwachsene um Hilfe zu bitten. „Ich habe von all dem nichts mitbekommen“, sagt Pfarrer Leppin. Durch Zufall bekommt die Polizei nach drei Wochen mit, was sich abspielt. Sie räumt das Haus, einer der Gäste flüchtet dabei in Unterwäsche aus dem Fenster.

Zurück bleibt Chaos: alles ist zugemüllt und verdreckt, eine Tür ist eingetreten. Damit nicht genug: Wenige Tage nach der Räumung verschwinden Wertsachen aus dem Jugendzentrum. Einer der ehemaligen Gäste wird mit Gegenständen aus dem Haus gesehen. Nachdem das Schloss ausgetauscht wird, brechen Unbekannte durchs Fenster ein. Sie stehlen zwei Computer, schlitzen Sofas auf, kokeln sie an und urinieren auf die Polster. „Ich glaube, das war ein Racheakt“, sagt Leppin.

Im Jugendzentrum fanden sich auch sieben Glühweinflaschen, die wie auch mehrere Packungen Würstchen aus dem Gemeindehaus verschwunden waren. Was den Pfarrer daran besonders stört: „Ich will keinen der Simmershäuser Jugendlichen verdächtigen. Aber das muss eigentlich jemand von hier gewesen sein, der sich auskannte oder einen Tipp gegeben hat.“

Seit Mitte Januar ist Hauke Rauschenbach neuer Jugendarbeiter der evangelischen Kirche. Gemeinsam mit den Jugendlichen renoviert er nun die verwüsteten Räume. Er trägt den Jungen nicht nach, dass sie keinem Bescheid gesagt haben. Vielmehr lobt er, wie fleißig sie jetzt putzen und streichen: „Ich sehe das Renovieren als eine Art Bewährung.“

Von Irene Habich

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