Gemeinden konkurrieren mit freier Marktwirtschaft

Rathäuser ringen um Fachkräfte: Immer weniger Bewerber im Kreis Kassel

Kreis Kassel. Ein Job im öffentlichen Dienst hat viele Vorteile und gilt als sicher. Trotzdem wirkt sich der Fachkräftemangel dort stark aus – das zeigt sich auch an den vielen Stellenausschreibungen, die zurzeit in kommunalen Blättchen zu finden sind.

Die Gemeinde Fuldabrück sucht aktuell einen Bauamtsleiter, einen Mitarbeiter für den Bauhof, einen Krankenpflege- oder Altenpflegehelfer und einen Auszubildenden zur Fachkraft für Abwassertechnik. Ersteren zu finden, wird nicht einfach, sagt Bürgermeister Dieter Lengemann. „Die Bewerbungsfrist für die Stelle des Bauamtsleiters läuft noch bis Ende April. Wir hoffen, dass wir bis dahin jemanden zu haben.“

Wenn die Wirtschaft boomt und die Arbeitslosenquote niedrig ist, sei es für die Kommunen sehr schwierig, Bauingenieure zu finden. „Die sind gerade wenig bis gar nicht auf dem Markt.“ In Rezessionszeiten sei das genau andersherum. Da sind Arbeitsstellen im öffentlichen Dienst begehrt, sagt Lengemann.

Ebenfalls schwierig ist die Lage bei Erziehern und Altenpflegern. „Dort suchen wir eigentlich ständig nach geeigneten Leuten.“ Kein Problem jemanden zu finden, hat die Gemeinde im Bereich Bauhof.

In Fuldatal wird gerade ein Techniker gesucht, die Bewerbungsfrist ist kürzlich abgelaufen. „Die Anzahl der Bewerbungen war deutlich geringer, als wir das gewohnt sind“, sagt der Büroleiter der Gemeinde, Martin Gronemann. Die gleiche Erfahrung habe er im Bereich Verwaltung gemacht, auch dort sei die Bewerberzahl spürbar zurückgegangen. „Das liegt auch an der Nähe zu Kassel, wo sehr viele Verwaltungen angesiedelt sind. Mit denen konkurrieren wir.“ Ein wichtiges Kriterium für die Bewerber sei neben der Bezahlung, dass die Stelle unbefristet ist. „Mit unbefristeten Verträgen hat der Arbeitgeber natürlich viel bessere Chancen, Leute zu bekommen.“

Die Gemeinde Niestetal hat ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass sich Jobsuchende ihren Arbeitsplatz zurzeit „ganz gut aussuchen können“, sagt Heike Pflüger. „Es gibt gerade relativ viele Stellen.“ Die Behörde sucht aktuell einen Technischen Mitarbeiter in der Wasserversorgung, die Bewerbungsfrist ist bereits abgelaufen.

Auch bei der Stadt Kassel macht sich der Fachkräftemangel bemerkbar, sagt Pressesprecher Claas Michaelis. „Probleme gibt es insbesondere bei der Besetzung von Arzt- und Ingenieursstellen.“ Darüber hinaus sei es schwierig, geeignetes EDV-Personal sowie ausgebildetes Verwaltungspersonal zu finden. „Die Stadt Kassel hat daher eine ganze Reihe von Maßnahmen eingeleitet, um auch in Zukunft ihre Stellen besetzen zu können. Bisher konnten die meisten Stellen, zum Teil mit Verzögerungen, besetzt werden.“

Die Stadt Baunatal hat offenbar mehr Glück bei der Besetzung ihrer offenen Arbeitsplätze, als die anderen Kommunen im Landkreis – auch in Bereichen, in denen speziellere Qualifikationen gefordert werden. „Wir haben gerade erst eine Stadtplanerin und eine Energieberaterin eingestellt“, sagt Pressesprecherin Susanne Bräutigam. „Wir waren mit der Anzahl der Bewerbungen zufrieden und konnten die Stellen umgehend besetzen.“

Rubriklistenbild: © Foto: Bodo Schackow/dpa

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