Im Rathaus in Ihringshausen wurden Schadstoffe gefunden – Sanierung über Jahre kostet eine Million Euro

Rathaus Ihringshausen: Raumluft mit Asbest belastet - Sanierung kostet eine Million

Asbest in der Raumluft: Bürgermeisterin Anne Werderich im Sitzungssaal des Rathauses. Die Schadstoffe stammen hier wie auch im angrenzenden Trauzimmer aus der Decke. Fotos: Schräer

Fuldatal. Kein Ende der Schreckensmeldungen für die Gemeinde Fuldatal. Auch das Rathaus ist mit Schadstoffen wie Asbest, Formaldehyd und Schimmelpilzen belastet. Allerdings seien die gemessenen Werte zum Beispiel in der Raumluft nicht so dramatisch, dass Räume gesperrt werden müssten.

Dies meinte Bürgermeisterin Anne Werderich, als sie in der jüngsten Sitzung des Gemeindeparlamentes den Umfang der gefundenen Schadstoffe und einen Sanierungsplan vorstellte. Dieser wurde mehrheitlich angenommen.

Laut Plan sollen noch in diesem Jahr Trauzimmer und Sitzungssaal von Asbest befreit werden, das sich in der Decke der miteinander verbundenen Räume befindet. In weiteren Bauabschnitten bis 2015 und folgenden Jahren soll das Rathaus komplett saniert werden. In der Zwischenzeit sollen Geräte die Raumluft reinigen. Kalkulierte Kosten insgesamt: eine Million Euro.

Er wolle keine Panik verbreiten, aber Asbest sei ein gefährliches Material und die Belastung zum Teil doch erheblich, meinte Clemens Schöler (CDU). Dessen Fraktion forderte, Trauzimmer und Sitzungssaal sofort zu sperren. Dies sei man den Bürgern schuldig, die ins Rathaus kämen. Dem widersprach Hartmut Kaldyk (SPD). Und forderte, das Gefahrenpotenzial vernünftig einzuschätzen. So seien im Sitzungssaal 600 Fasern Asbest pro Kubikmeter Raumluft gemessen worden. Bereits mit 500 Fasern pro Kubikmeter gelte eine Sanierung als erfolgreich. Es bestehe keine Notwendigkeit, Räume sofort zu schließen.

Auf bestehende Richtlinien mit einem Grenzwert von 1000 Fasern Asbest pro Kubikmeter Raumluft verwies Klaus-Dieter Sänger (FDP). Daher könne mit Bedacht an die Sanierung gegangen werden.

Die Bürgermeisterin hatte zuvor eine Einschätzung des Gesundheitsamtes mitgeteilt. Danach sei ein Aufenthalt an der Rathauskreuzung belastender als einer im Sitzungssaal. Derzeit sucht die Verwaltung nach einem Ersatzraum im Rathaus für das Trauzimmer. Im Sommer soll die Sanierung beginnen.

Decken,Wände und Möbel

Schadstoffe im Rathaus stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen

Der von der Gemeinde beauftragte Gutachter hat folgende Schadstoffe im Rathaus festgestellt:

• Asbest in der Decke des Sitzungssaals sowie des benachbarten Trauzimmers.

• Festgebundener Asbest, der nicht ausgebaut werden muss, wenn er nicht mechanisch behandelt wird, zu finden in mehreren Teilen der Heizungsanlage sowie in einigen Fensterbänken im Altbau sowie in Schindelverkleidungen an der Gebäudehülle.

• Krebserregend hergestellte künstliche Mineralfasern (KMF) in der Dämmung der Unterdecken in den meisten Fluren und Räumen, in Installationskanälen und Teilen der Heizung.

• KMF in der Trittschalldämmung des Haupttreppenhauses, in leichten Trennwänden und in der Glasfasertapete der Flure und in wenigen Räumen.

• Im Außenbereich KMF in den äußeren Sonnenschutzkästen sowie in der Dämmung der Metallaußenfensterbänke.

• Formaldehyd im Haupttreppenhaus, in der Bibliothek und den Sitzungsräumen sowie in Dienstzimmer und Vorzimmer der Bürgermeisterin. Ausgasendes Material ist eine sogenannte verlorene Schalung bei der Herstellung der Betonrohdecken.

• Formaldehyd in den Fluren und Räumen im Erdgeschoss von Alt- und Neubau und im 2. Obergeschoss des Neubaus. Ursache dort die Deckenverkleidung, der Wandputz sowie Möbel und Zimmertüren.

• Schimmelpilz im Sozialraum des Neubaus im zweiten Obergeschoss.

• Schimmelpilzsporen in hoher Konzentration im gesamten Altbau. Ursache: Feuchtigkeit im Keller. (mic)

Von Michael Schräer

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