Bürgermeister fühlen sich von Stromriesen vorgeführt

Aufstockung der 110-kV-Leitung: Rathauschefs über Eon-Netz verärgert

Niestetal/Kaufungen/Lohfelden. Im Streit um die Erhöhung von Masten der 110-kV-Starkstromleitung zwischen Bergshausen und Niestetal (wir berichteten), machen die sozialdemokratischen Rathauschefs der betroffenen Gemeinden jetzt Front gegen den Betreiber des Kabels, Eon-Netz.

Lesen Sie auch:

- Eon Netz: Haben früh informiert

- Gremmels: Wer ist zuständig?

- Erhöhung der Strommasten: RP stoppt Arbeiten

Sie fühlen sich von dem Unternehmen getäuscht. Andreas Siebert (Niestetal), Armin Ross (Kaufungen) und Michael Reuter (Lohfelden) kritisierten in einer gemeinsamen Stellungnahme die Informationspolitik des Stromriesen scharf. Eon-Netz habe die Kommunen nicht darüber informiert, dass die Masten der Trasse erhöht werden, um mehr Strom durch die Leitungen zu schicken. Das von dem Unternehmen beauftragte Planungsbüro habe den Gemeinden im Spätsommer 2010 nur angekündigt, dass die Trasse altersbedingt Instand gesetzt werden sollte.

„Das ist eine Ungeheuerlichkeit“, sagte Reuter. Damit untergrabe das Unternehmen das Vertrauen, das die Bürgermeister der drei Gemeinden bei der Bevölkerung genössen, zumal die Anwohner wegen vermuteter Gesundheitsrisiken durch die elektrischen Felder auf dieses Thema schon sehr sensibel reagierten und Ängste hätten. Der Lohfeldener Bürgermeister kündigte an, er werde das Verhalten von Eon-Netz juristisch überprüfen lassen. Die Verwaltungschefs erbost vor allem, dass der Netzbetreiber behauptet, er habe die Gemeinden umfassend über das Projekt informiert. Das sei während einer Bürgerversammlung in Lohfelden Ende November vergangenen Jahres geschehen, schrieb der Geschäftsführer von Eon-Netz, Dietrich Max Frey, Anfang dieses Monats dem SPD-Landtagsabgeordeten Timon Gremmels (Niestetal). Der Abgeordnete hatte in einem Beschwerdebrief an Frey von einer „Nacht- und Nebelaktion“ gesprochen. Reuter weist diese Darstellung von Eon Netz zurück. Es habe sich nicht um eine Bürgerversammlung sondern um die Informationsveranstaltung einer Bürgerinitiative gehandelt, in der es unter anderem um den Bau einer geplanten 380-kV-Trasse gegangen sei, sagen Reuter und Gremmels. Die Arbeiten an der 110-kV-Leitung habe der Vertreter von Eon-Netz damals nicht angesprochen, obwohl das nahegelegen hätte und sinnvoll gewesen wäre.

Gremmels hat inzwischen eine Kleine Anfrage an die hessische Landesregierung gerichtet. Darin geht es auch um die Frage, ob Eon für das Projekt ein Planfeststellungsverfahren hätte beantragen müssen. Sollte das der Fall sein, hätten die betroffenen Gemeinden einen juristischen Hebel. Sie müssten in dem Verfahren gehört werden. Die Verwaltungschefs fordern von Eon zunächst „vertrauensbildende Maßnahmen“. „Es ist viel Porzellan zerschlagen worden“, sagt Gremmels.

Die Aufstockung der Masten ist durch das Regierungspräsidium Kassel vorläufig gestoppt worden. (pdi)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.