Raus aus Hinterzimmer

Interview: SPD-Chef Uwe Schmidt über den Mitgliederschwund

Landrat Uwe Schmidt

Kreis Kassel. Die SPD im Landkreis Kassel hat zwar noch immer viele Mitglieder - doch die meisten von ihnen sind im Rentenalter. Über die Entwicklung sprach HNA-Redakteur Peter Ketteritzsch mit dem Unterbezirksvorsitzenden und Landrat Uwe Schmidt.

Herr Schmidt, als 60-Jähriger sind Sie vier Jahre jünger als der durchschnittliche Genosse im Landkreis Kassel. Diese Tatsache muss Sie erschrecken.

Lesen Sie auch

SPD im Landkreis Kassel vergreist: Genossen im Schnitt 64 Jahre alt

Uwe Schmidt: Wie so oft sind in diesen Zahlen mehrere Botschaften versteckt. Eine Botschaft ist: Unsere Mitglieder bleiben uns lange treu. Das ist eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass es uns nicht gelingt, genügend jüngere Menschen davon zu überzeugen, in die SPD einzutreten. Da geht es uns wie vielen anderen Institutionen, die vom ehrenamtlichen Engagement leben. Jüngere Menschen engagieren sich in der Regel gern für ein bestimmtes Projekt - sie binden sich leider nicht langfristig an eine Partei oder einen Verein.

Wenn die Entwicklung so weitergeht, stirbt die SPD im Landkreis Kassel langsam, aber sicher aus. Was unternehmen Sie dagegen?

Schmidt: Die Entscheidung, in die SPD einzutreten, hängt in den seltensten Fällen von der Kommunalpolitik ab. Willy Brandt war sicherlich einer der besten Mitgliedswerber, die wir je hatten. Die Strahlkraft der SPD hängt von den großen politischen Projekten für die Zukunft unserer Gesellschaft ab. Kommunalpolitik kann da mithelfen, indem sie glaubwürdig bleibt und transparenter wird.

Die Partei ist für junge Leute offensichtlich total unattraktiv. Woran liegt das?

Schmidt: Die Parteistrukturen mit festen Funktionen und teilweise stark vorgegebenen Abläufen können für junge Leute nicht attraktiv sein. Im Interesse unserer Demokratie sind hier alle Parteien gefordert, themenbezogen Möglichkeiten zum Mitmachen und Mitentscheiden zu bieten, um so wieder attraktiver zu werden. Also: weg vom Hinterzimmer und hin zur Diskussion mit den Menschen. Wir haben mit solchen gezielten Aktionen bereits gute Erfahrungen gemacht.

Der Mitgliederschwund ist auch ein Problem für die kommunale Selbstverwaltung. Wie wollen Sie gewährleisten, dass künftig noch alle Mandate in Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen besetzt werden, die die SPD errungen hat?

Schmidt: Ohne überheblich klingen zu wollen, haben andere vermeintlich modernere Parteien hier viel größere Probleme als wir. Aber auch für die SPD im Landkreis Kassel sollte es kein Tabu sein, Kandidaten zur Wahl zu stellen, die nicht oder noch nicht Mitglied der SPD sind. Es kommt aus meiner Sicht darauf an, dass die von uns unterstützten Kandidaten für sozialdemokratische Inhalte stehen und nicht ob sie die Ochsentour durch die Parteigremien auf sich genommen haben. Jemand ohne Parteibuch, aber mit sozialem Gewissen ist mir lieber als jemand, der nur in die Partei eingetreten ist, um Karriere zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.