Rentnerin Ingeburg Huhn aus Schauenburg wehrt sich gegen fristlose Kündigung

Nach 43 Jahren in derselben Wohnung: Rauswurf vor Heiligabend

Streit mit Vermieter: Ingeburg Huhn beklagt auch, dass das Treppenhaus vor ihrer Wohnung eine Dauerbaustelle sei. Foto: Dilling

Schauenburg. 43 Jahre wohnt Ingeburg Huhn in der ehemaligen Siedlung des Autobauers Volkswagen im Schauenburger Ortsteil Hoof. Inzwischen haben die Mehrfamilienhäuser an der Habichtswaldstraße mehrfach den Eigentümer gewechselt. Und damit begannen für die Rentnerin die Probleme.

Mit dem jüngsten Vermieter, der Paderborner Immobilienfirma Michels, liegt die Witwe seit einem Jahr in einem Streit, der kurz vor Weihnachten seinen vorläufigen Höhepunkt fand: Der Rentnerin flatterte wenige Tage vor Heiligabend ein Anwaltsschreiben mit der fristlosen Kündigung ins Haus.

Die Rückgabe der Wohnung „muss spätestens erfolgen bis zum 23.12.2011“ heißt es in dem Schreiben der Juristen. Es seien Mietrückstände im Umfang von mehreren Monatsmieten aufgelaufen, so lautet die Begründung der Anwälte des Vermieters.

Verzweifelt

Ingeburg Huhn ist verzweifelt. Sie weiß nicht, wie sie sich in so kurzer Zeit eine neue Bleibe besorgen soll. „Ich habe viel geweint und alle verrückt gemacht“, sagt die Witwe – und muss auch jetzt noch mit den Tränen kämpfen. Auf Anraten ihres Sohns entschließt sie sich, einen Anwalt einzuschalten. Der 23. Dezember und die folgenden Wochen verstreichen, ohne dass der Vermieter Anstalten macht, den Rauswurf in die Tat umzusetzen.

Jetzt haben die Juristen das Wort. Der Mietrückstand ist dabei laut Huhns Baunataler Rechtsanwältin, Dr. Solveig Meier unbestritten. Doch Ingeburg Huhn glaubt sich im Recht. Sie habe die Miete gemindert, weil die Immobilienfirma beim Umbau des Dachbodens zu Mietwohnungen den Bauschutt durch eine Röhre, direkt an ihrer Wohnung vorbei geleitet habe. Monatelang habe sie unerträglichen Baulärm aushalten müssen, was Huhns Freundin und häufige Besucherin bestätigt.

Trockenboden nicht nutzbar

Außerdem habe der Vermieter einfach den Trockenboden unter dem Dach umfunktioniert, obwohl sie auf dessen Benutzung einen Anspruch habe, sagt Huhn. Sie müsse außerdem noch Nebenkosten zurückbekommen, die habe sie mit der Miete verrechnet.

Das Verhalten des Vermieters sei zumindest „grenzwertig“, sagt Huhns Anwältin. Das sei eine Kündigung „zur Unzeit“. Immerhin habe der im Vorfeld noch mit ihrer Mandantin über die gerechtfertigte Höhe einer Mietminderung verhandelt und dann ohne Vorwarnung gekündigt.

Leider sei es gar nicht so selten, dass Vermieter das Instrument der fristlosen Kündigung einsetzten. Das übe besonders auf ältere Mieter starken Druck aus, sagt Meier.

Wenn der Mieter sich nach einer Kündigung auf die Schutzregeln des sozialen Mietrechts berufe, könne es durchaus noch ein Jahr dauern, bis er tatsächlich die Wohnung räumen müsse.

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