Interview: Rudolf Boll, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, über Sparvorwahlen für Auslandstelefonate

Mit der Rechnung das böse Erwachen

Achtung, Kosten: Wer Sparvorwahlen für Telefonate ins Ausland nutzt, sollte sich vorher gut informieren, um nicht mit hohen Kosten auf der Telefonrechnung überrascht zu werden. Archivoto:  dpa

Kaufungen. Ein- bis zweimal im Monat telefoniert er mit Freunden in Kroatien – seit acht Jahren nutzt Günter Klein (75) aus Kaufungen für seine Telefonate ins Ausland Angebote von Call-by-Call-Anbietern. Call-by-Call-Nummern sind Vorwahlen, die das Telefonieren ins Ausland zu einem vermeintlich günstigen Tarif anbieten. Doch jetzt erhielt Klein eine Rechnung, die viel höher war als erwartet.

Das Angebot der Spar-Vorwahlen im Internet ist groß, und häufig sind die Zifferfolgen ähnlich, sodass ein Vertippen spürbar ins Geld gehen kann. Im Fall von Günter Klein war es eine Null zu viel; Klein ist sich sicher, dass er sich nicht vertippt hat. Doch die Konsequenz: Statt der erwarteten 1,19 Cent pro Minute wurde ihm vom Anbieter Ventelo das Hundertfache in Rechnung gestellt, nämlich 1,19 Euro pro Minute. Günter Klein musste für sein knapp neunminütiges Telefonat nach Kroatien statt neun Cent schließlich neun Euro zahlen.

Manche Anbieter schalten eine Tarifansage vor den Gesprächsaufbau. Ist das nicht der Fall, hat der Nutzer keine Möglichkeit, den Tarif zu kontrollieren.

Wir sprachen mit Rudolf Boll, Pressesprecher der Bundesnetzagentur, über Probleme mit Call-by-Call-Vorwahlen.

Herr Boll, wie sicher ist das Telefonieren mit Call-by-Call- Nummern aus dem Festnetz ins Ausland?

Rudolf Boll: Durch die Nutzung von Call-by-Call-Vorwahlen lassen sich unter Umständen bei Anrufen ins Ausland Einsparungen erzielen. Wichtig ist, dass sich Verbraucher vor der Nutzung über die jeweils gültigen Preise informieren.

Einige Telefonanbieter haben mehrere Call-by-Call-Angebote mit annähernd gleichen Vorwahlen, die sich nur durch eine Ziffer unterscheiden, aber im Preis erheblich differieren. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Anbieter mit diesen Nummern darauf spekulieren, dass der Nutzer sich vertippt ...

Boll: Die Anbieter sind bei der Gestaltung ihrer Entgelte grundsätzlich frei. Die Preise für die Nutzung der Call-by-Call-Vorwahlen können also entsprechend variieren. Verbraucher sollten bei der Anwahl der jeweiligen Nummer darauf achten, dass sie auch die gewünschte Vorwahl nutzen.

Wie können sich Verbraucher schützen?

Boll: Verbraucher können Anbieter nutzen, die eine Tarifansage anbieten. Dadurch erfahren die Verbraucher am Beginn des Telefonats, wie teuer die Nutzung der Vorwahl ist, und können so gegebenenfalls auflegen, bevor hohe Kosten entstehen.

Besteht eine Tarifansagepflicht und ist die Ansage für den Anrufer kostenfrei?

Boll: Zurzeit besteht keine Preisansageverpflichtung für die Unternehmen. Einige Firmen bieten eine Preisansage freiwillig an. Mit Inkrafttreten der Neuregelungen im Telekommunikationsgesetz soll eine Preisansage für alle Unternehmen verpflichtend eingeführt werden. HINTERGRUND

Von Sina Hühne

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