Reform der Einspeisevergütung: Katerstimmung bei Biogas-Bauern

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Er ist von der geplanten Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes enttäuscht: Bernd Bollerhey rechnet damit, dass er den Betrieb seiner Biogasanlage in Martinhagen in zwölf Jahren einstellen muss. Es sei denn, dass sich bis dahin die Politik ändert. Fotos: Dilling

Baunatal/Schauenburg. Elektrischer Strom aus Gülle, Mais, Silage und Grasschnitt, dazu der Aufbau einer dezentralen Energieversorgung, die bei der Energiewende hilft und dazu Landwirten ein gutes Zubrot einträgt: Diese Idee stand hinter vielen Biogasanlagen, auch in Baunatal und Schauenburg.

Doch nach zehn Jahren herrscht nun Katerstimmung: Mittelfristig drohe vielen Anlagen wegen der Einschnitte, die das geplante neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bringen werde, das Aus, sagt Reinhard Knipker, Geschäftsführer des Maschinenrings Kassel: „Es bricht alles weg“.

Inzwischen gehe die Nachfrage nach neuen Anlagen gegen „Null“, berichtet Knipker. Das neue EEG, das noch vom Bundestag verabschiedet werden muss und ab 1. August gelten soll, führe mit seinen schlechteren Vergütungen dazu, dass sich ein Neubau nicht mehr lohne. Aber auch viele Altanlagenbetreiber würden in Schwierigkeiten geraten, weil die Vergütung für ihren erzeugten Strom durch die so genannte Höchstbemessungsgrenze auf eine bestimmte Leistung der Anlage gedeckelt werde. Die darüber hinaus produzierte Energie müssten sie dann an der Strombörse verkaufen. Dafür gebe es gerade mal vier Cent die Kilowattstunde.

„In zwölf Jahren ist hier Schluss“

Landwirt Bernd Bollerhey aus Martinhagen ist noch relativ gut dran. Er hat seine Biogasanlage bereits 2006 errichtet und 2007 auf eine Leistung von 380 Kilowatt/Stunde erweitert, als die Förderbedingungen noch deutlich besser waren. Dennoch sagt der Schauenburger: „In zwölf Jahren ist hier Schluss.“ Dann ist die Anlage abgeschrieben. Wegen der drohenden schlechteren Vergütungsbedingungen lohnten sich Investitionen in ein neues Blockheizkraftwerk oder gar die erneute Erweiterung seiner Anlage nicht. Diese hatte Bollerhey zwischenzeitlich überlegt.

Unsicherheit macht sich breit

Auch Dierk Koch und sein Partner Jan Kurzenknabe die erst Ende 2011 ihre Biogasanlage mit 220 Kilowatt/Stunde Leistung am Ortsrand von Großenritte auf dem Langenberghof in Betrieb genommen hatten, sind von der bevorstehenden Gesetzesnovelle enttäuscht. Man habe von Anfang so viel Geld investiert, dass man die Anlage auf 250 Kilowatt ausbauen kann, berichtet Koch. Diese Option haben die beiden Landwirte nun zu den Akten gelegt, sie rechne sich nicht mehr. Dabei sei mit Stallmist vom eigenen Hof und von anderen Betrieben der Umgegend sowie Mais aus eigener Produktion genügend Substrat für den Bioreaktor verfügbar. Jetzt bestehe aber schon Unsicherheit, welche elektrische Leistung der Anlage überhaupt für den garantierten Abnahmepreis berücksichtigt werde. Ein darüberhinaus gehenden Mehrertrag an Strom müsste Koch dann unter Selbstkostenpreis an der Strombörse verkaufen. Die Politik habe „keine klare Richtung“, klagt Kurzenknabe.

Von Peter Dilling

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