Viele Kunden verärgert

Regiotram: Imageschaden durch Verspätungen trotz Mehrangebot

Oft zu spät: Die Regiotram der Linie 3, die oft schon im Norden des Landkreises, aber speziell in der Kasseler Innenstadt ihre planmäßigen Fahrzeiten nicht einhält. Archivfoto: Gehlen

Kreis Kassel. Da gab es nichts zu beschönigen. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember verlief der Start der neuen Regiotram-Gesellschaft (RTG) ausgesprochen holprig. Zugausfälle und Verspätungen speziell auf den Linien RT 3 und RT 4 verärgerten viele Kunden.

Dies räumten auch Wolfgang Rausch, Geschäftsführer des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV), und Jochen Fink, einer von zwei RTG-Geschäftsführern, am frühen Mittwochabend im Kreishaus in Kassel ein.

Dort informierten beide die Kreistagsmitglieder des Verkehrsausschusses während einer Sondersitzung über die Probleme. Die Sitzung hatte die SPD-Fraktion beantragt.

Wolfgang Rausch

Seit Dezember biete der NVV ein verbessertes Regiotram-Angebot an, meinte Rausch. Dieses „droht durch die Ausfälle und Verspätungen unterzugehen“. Rausch sprach von einem Imageschaden für den NVV, der lediglich die Leistungen bestelle, für die Kunden aber in einem Boot sitze mit der RTG, die für den Fahrbetrieb zuständig sei.

Wesentliche Ursache für deren Probleme sei die Personalsituation, sagte Fink. Zum Start im Dezember hatte man weniger Fahrzeugführer als erhofft von der Deutschen Bahn (DB) übernehmen können. Den zuvor selbst ausgebildeten Tram-Fahrern fehlte die Routine speziell im Innenstadtverkehr von Kassel, was auch zu Verspätungen und Ausfällen geführt hatte, wie auch ein hoher Krankenstand von zwischenzeitlich über 18 Prozent. Schließlich seien nach Unfällen auch noch zwei von 28 Regiotrams länger ausgefallen.

Jochen Fink

Bei der Lösung der Probleme setzen NVV und RTG auf einen laufenden Ausbildungslehrgang für Fahrzeugführer. Mit diesem kämen zum Juni mehr als zehn Mitarbeiter zu den derzeit 75 hinzu und entspanne die Personalsituation. Und dann gebe es Überlegungen, auf der Linie RT 9 von Treysa zum Hauptbahnhof Kassel mit reinem DB-Netz andere Fahrzeuge einzusetzen. Dann stünden mehr Regiotrams für Strecken mit Straßenbahnbetrieb in Kassel zur Verfügung.

Fazit von Rausch und Fink: Nach schlechtem Start habe man „das Gröbste überstanden“, erfülle mehr und mehr die Vorgaben und werde ab Juni das gesteckte Ziel mit Drei-Minuten-Pünktlichkeit zu 92 Prozent erreichen.

NVV: Verspätungen liegen nicht am Fahrplan

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Ursprünglich habe er als Regiotramnutzer an Startschwierigkeiten geglaubt, meinte Frank Nikutta (SPD) in der Diskussion mit den Geschäftsführern von NVV und RTG. Statt besser, sei es aber immer schlechter geworden mit dem Regiotram-Betrieb. Vielleicht eine Folge der Trassenführung an der Uni Kassel vorbei und durch die Innenstadt?

Wer mit der Regiotram aus dem Umland nach Kassel fahre, wolle direkt in die Innenstadt, entgegnete Wolfgang Rausch vom NVV und nicht wie zuvor zum Auestadion. Die Fahrten der Regiotram habe man auch in die Holländische Straße verlegt, „um dem Fahrgastaufkommen mit der Uni gerecht zu werden“. An Trassenführung und Fahrplan lägen die Verspätungen nicht. „Der Fahrplan ist fahrbar.“

Brigitte Gerstenberg (CDU) fragte, ob der hohe Krankenstand auch Folge von Stress für die Fahrer sei?

Aus Eisenbahnersicht sei die Fahrt durch Kassels Innenstadt anspruchsvoll, meinte Jochen Fink (RTG). Diesem Stress müsse sich aber der Fahrer stellen. Die vielen Krankheitsfälle im Januar hingen auch mit einer Erkältungswelle zusammen.

Die Messlatte, nur drei Minuten später, als der Fahrplan ausweise, anzukommen, sei hoch gelegt und gerissen worden, meinte Oliver Ulloth (SPD). NVV und RTG könnten froh sein, dass es keine Konkurrenzanbieter gebe, sonst „hätten sie enttäuschte Kunden für immer verloren“. „Ich kann die Kritik nachvollziehen. Wir arbeiten an Verbesserungen“, entgegnete Fink.

Von Michael Schräer

Fotos: Schräer / Archiv: Malmus

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