Monatelange Krise ist Thema im Kreistag

Regiotram nervt Politiker immer mehr

Mehr ein Ärgernis denn Freude: Die Regiotram, hier die Linie 3 zwischen Hofgeismar und Holländischer Straße, machte in den vergangenen Monaten vor allem Negativschlagzeilen wegen Ausfällen und Verspätungen. Foto: Gehlen

Kreis Kassel. Die monatelange Krise im Regiotram-Betrieb erhält eine politische Dimension: Am Montag befasst sich der Kreistag des Landkreises Kassel mit diesem Thema.

„Betreiber der Regiotram erfüllt Erwartungen nicht“, so lautet die Überschrift für einen Antrag, den die Fraktionen der SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und der Freien Wähler gemeinsam eingebracht haben. Der mit Fragen an den Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) gekoppelte Beschlussvorschlag zielt im Kern auf einen Aktionsplan ab, den die Regiotram-Gesellschaft (RTG) als Vertragspartner des NVV bis 30. Juni vorlegen soll.

Das Konzept soll den Betrieb auf den vier Tramverbindungen zwischen Kassel und dem näheren Umland nachhaltig sicherstellen. Außerdem fordert der Landkreis den NVV auf, rechtliche Schritte oder sonstige Konsequenzen gegenüber der Tramgesellschaft, wie zum Beispiel Schadensersatzforderungen, zu prüfen.

Die Initiative für den Antrag ging von der SPD aus. „Wir sind äußerst unzufrieden mit dem Betreiber der Regiotram“, die lange als Vorzeigeprojekt gegolten habe, sagte der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Kreistagsfraktion, Frank Nikutta, während der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Bau und Verkehr im Kreishaus. Der SPD-Sprecher zeigte Verständnis für die Unzufriedenheit der Fahrgäste. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit seien Attribute, die man von einem Dienstleister im ÖPNV erwarten dürfe. „Trotz zurückgegangener Verspätungen besteht weiterhin Handlungsbedarf“, so Nikutta.

Schlimmer als vor einem Jahr 

Die Situation sei zuletzt schlimmer als vor einem Jahr gewesen, sagte Jörn Bochmann (CDU). Um weitere Umsatzeinbußen und Imageschäden von dem einstigen Vorzeigeprojekt abzuwenden, müsse Abhilfe geschaffen werden.

Auch der außergewöhnlich hohe Krankenstand unter den Tramfahrern von zeitweilig bis zu 20 Prozent kam zur Sprache. Die Gewerkschaft der Lokführer hatte deutlich verschlechterte Arbeitsbedingungen seit dem Ausstieg der Bahn-Tochter DB-Regio als Mitbetreiberin der Tramlinien und viel zu kurze Ruhezeiten als Hauptursachen für das Dilemma verantwortlich gemacht.

Keine einfachen Antworten 

Olaf Köhne (Bündnis 90/Die Grünen) plädierte deshalb dafür, neben der Stadt und der Hessischen Landesbahn als Anteilseigner auch die Arbeitnehmervertretung der RTG in das Erstellen des geforderten Aktionsplans einzubeziehen. Man dürfe generell keine einfachen Antworten von den Beteiligten erwarten, sagte Landrat Uwe Schmidt, der dem Aufsichtsrat des NVV angehört. Das Ergebnis der Prüfung, ob man aus dem bis 2028 geltenden Vertrag mit der RTG herauskomme, liege noch nicht vor, sagte Schmidt weiter. Im Falle einer Kündigung habe man aber auch nicht gleich einen neuen Anbieter, so der Landrat gegenüber dem Fachausschuss.

Von Hans Peter Wohlgehagen

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