Pfarrer Johannes Barth übt mit seinen Konfirmanden für das feierliche Zeremoniell

Der Regisseur am Altar

Bitte hier entlang: Pfarrer Johannes Barth gibt den Konfirmanden Anweisungen, wie sie sich im Gottesdienst bewegen sollen. Fotos: Dilling

Kaufungen. Die Konfirmation gehört zu den wichtigsten Ereignissen im Leben eines Jugendlichen. Sie bedeutet seine feierliche Aufnahme in den Kreis der Glaubensgemeinschaft. Vor allem bedeutet sie aber auch ein anstrengendes, steifes Zeremoniell für oft ungeduldige junge Leute, das bis ins Kleinste einstudiert werden muss. Da hilft es dem Pfarrer ungemein, wenn er ein „Händchen“ für den Umgang mit Jugendlichen hat.

Pfarrer Johannes Barth meistert diese Aufgabe meistens souverän. Zwei Konfirmandengruppen sitzen hufeisenförmig im Altarraum unter dem etwas einschüchternden dunklen Gewölbe der Stiftskirche Kaufungen. Barth, leger in Jeans und Sweatshirt gekleidet, erklärt den Jugendlichen die einzelnen Schritte im Stil eines Regisseurs beim Casting von neuen Schauspieltalenten.

„Segen, Segen, Segen, Glückwunsch, Glückwunsch, Rose, Rose, Rose“, sagt er, an die Jugendlichen gewandt, und deutet dabei den Rundkurs an, den die Konfirmanden nach der Einsegnung um den Altartisch herum absolvieren müssen, um sich die Urkunde mit dem Konfirmationsspruch und eine Rose abzuholen.

„Geht langsam“, ermahnt Barth seine Schützlinge. „nehmt die Hände aus den Hosentaschen und vergesst nicht, die Kaugummis rechtzeitig aus dem Mund zu nehmen“, ergänzt der Pfarrer und führt den Jugendlichen karikierend vor, welch schlechte Figur man unter den Augen von Hunderten von Eltern und Großeltern machen kann. Die angehenden Konfirmanden grinsen und kichern.

Auch Sophia Haberkost (14) und Nina Leismann (14) sind froh, dass es ihr Pfarrer so locker angehen lässt. „Wir haben ganz schön Lampenfieber vor der Konfirmation“, bekennen die beiden. Trotzdem freuen sie sich auf die Feier.

Den beiden Konfirmandenhelferinnen Saskia Brungs (14) und Tanja Gareis (15) sind von der Art des Pfarrers begeistert. „Der ist ganz locker, richtig cool“, meint Saskia. „Da hat man Spaß am Glauben“, ergänzt Tanja.

Leon Leitheußer und Elias Baumann verfolgen lässig mit ausgestreckten Beinen die Regieanweisungen Barths. „Der Pfarrer ist schon ziemlich freundlich“, sagt Leon (14). „Er ist meistens geduldig und nur ganz selten genervt“, ergänzt der gleichaltrige Elias.

Zum Ende der Vorbereitungen werden die Grenzen von Barths Geduld auf die Probe gestellt. Einige der Konfirmanden reden laut durcheinander. „Leute, ich mache jetzt einfach weiter, ob ihr zuhört, ist mir egal“, ruft der Pfarrer ihnen zu. Und als Barth auf der Gitarre „Jesus, Erlöser der Welt anstimmt“, ist das vor allem für manche Jungen das Signal, sich noch intensiver zu unterhalten. „Ganz große Klasse, ihr wart eine Superhilfe“, sagt Barth sarkastisch zu ihnen.

Dem Pfarrer ist klar, dass einige der Jugendlichen nicht aus Begeisterung, sondern nur wegen der Tradition am Konfirmandenunterricht teilnehmen.

Doch selbst bei denen gelinge es ihm ab und zu, die Neugier auf religiöse Themen zu wecken, sagt Barth. Am wichtigsten sei ihm, eine Vertrauensbasis zu den jungen Leuten aufzubauen.

Von Peter Dilling

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