Horst Fasshauer prangerte Missstände in öffentlichen Verkehrsmitteln an

Rentner protestiert gegen Müll in Bahnen

Ungewöhnlicher Protest: Horst Fasshauer machte am gestrigen Rosenmontag in besonderer Kostümierung in Bussen und Bahnen auf Vandalismus aufmerksam und erntete viel Zuspruch.

Baunatal. Schmutzige Toiletten, arglos entsorgte Pampers, viel Müll und jede Menge Kaugummis und Kippen auf dem Boden: Die mutwillige Verunreinigung in Zügen, Bussen und an Haltestellen ist ein zunehmendes Problem, auf das der 76-jährige Baunataler Rentner Horst Fasshauer am Rosenmontag mit einer Protestaktion aufmerksam machte.

Den ganzen Tag fuhr der frühere Sanitätsunteroffizier der Bundeswehr und langjährige Podologe in karnevalistisch anmutendem Outfit mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Nordhessen, um diese Missstände anzuprangern und für eine Verhaltensänderung zu werben. Mit im Gepäck hatte der einfallsreiche Demonstrant eine locker formulierte, aber im Ziel ernst zu nehmende „Fahrgast-Gebrauchsanweisung für Toiletten“, die er in der Regionalbahn nach Melsungen verteilte.

„Ich bin kein Nörgler, aber die Hygiene in Bussen, Zügen und auf Bahnhöfen muss sich ändern. Viele müssen ihr Verhalten umstellen“, sagte Horst Fasshauer im Gespräch mit unserer Zeitung.

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So seien die Toiletten in Regionalzügen oft sehr unsauber. Auf dem Bahnhof Wilhelmshöhe werde man mit „Taubenschiss“ bombardiert, sagte Fasshauer. Und weiter: Kürzlich habe er eine Frau mit extrem langen Haaren beobachtet, die sich in der Tram kämmte, um die Haare anschließend aus der Bürste auf dem Boden zu entsorgen, sagt Fasshauer. Eine andere Mitfahrerin entsorgte in einer Cantusbahn eine gebrauchte Windel zwischen Bordwand und Sitzlehne.

Generell, so Fasshauer weiter, gebe es in Bussen weniger Müll als in Straßenbahnen. Das sei darauf zurückzuführen, dass ein Busfahrer seine Fahrgäste besser im Blick habe, sagte der für mehr Hygiene kämpfende Vielfahrer.

Die Aktion des Baunatalers kommt an: „Gut, dass er auf die Missstände hinweist“, sagten Monika Döhne (68) und Heinrich Richly (70) im Café an der Tramstation Stadtmitte. Zustimmung kam auch von Hans-Peter Schulze (50), einem Mitfahrer in der Tram, der befürchtet, dass die Zunahme der Verunreinigungen oder Schäden voll auf die Fahrpreise durchschlagen könnte. Auch Barbara Ohlwein - gestern mit der Regiotram nach Kassel unterwegs - war von Horst Fasshauers Einsatz angetan: „Es muss wirklich eine Bewusstseinsänderung eintreten.“

Sie erwartet besonders von Eltern eine Vorbildhaltung für mehr Sauberkeit und Ordnung, sagte die 66-jährige Rentnerin aus Niedenstein.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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