Personalmangel bei der Feuerwehr: Landrat fordert Ausbildung in Schule

Nachwuchs aus der Schule: Von der Grundausbildung erhofft sich Landrat Schmidt eine Linderung der Personalprobleme bei der Freiwilligen Feuerwehr. Archivfoto: dpa  

Kreis Kassel. Wenn die Sirene heult oder der Pieper Alarm schlägt, dann wird manchen Wehrführern im Landkreis Kassel inzwischen angst und bange. Immer häufiger müssen sie fürchten, dass bei Bränden und Verkehrsunfällen nicht genügend freiwillige Feuerwehrleute zur Verfügung stehen.

Im Landkreis Kassel sank ihre Zahl von 3501 im Jahr 2007 auf 3490 im Jahr 2011. Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Einsätze um 170 auf 2600.

Sorgen bereitet den Feuerwehr-Oberen aber vor allem der Nachwuchs. Waren 2007 noch 1841 Jungen und Mädchen in den Jugendfeuerwehren aktiv, waren es im vergangenen Jahr nur noch 1583.

Um dem Personalmangel in den Einsatzabteilungen entgegenzuwirken, will Landrat Uwe Schmidt (SPD) ungewöhnliche Wege gehen. Bei der Suche nach neuen Feuerwehrleuten will er die Schulen einbinden. Schmidt fordert die Einführung einer sogenannten Feuerwehrtechnischen Grundausbildung als Wahlpflichtfach. Am Ende der Ausbildung sollen die Schüler fit sein für den Einsatz bei den Brandschützern. „Wenn mein Vorschlag Realität wird, besteht die Möglichkeit, mehr Nachwuchskräfte für die Freiwillige Feuerwehr zu gewinnen“, sagt der Landrat.

Die Idee ist allerdings nicht auf seinem Mist gewachsen. Schmidt verweist bei seinem Vorstoß auf Hessens Nachbarland Rheinland-Pfalz. Dort gibt es die Feuerwehrtechnische Grundausbildung bereits an mehreren weiterführenden Schulen. Insgesamt 70 Stunden werden junge Männer und Frauen zwischen 17 und 20 Jahren, darunter viele Berufsschüler, in Theorie und Praxis unterrichtet. Wolf-Jürgen Karle, Sprecher des Bildungsministeriums, spricht gegenüber der HNA von einer „echten Rekrutierungsmaßnahme“ für die Brandschützer.

Initiiert wurde das Projekt vom Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz. Dessen Präsident Otto Fürst, im Hauptberuf Lehrer, zieht eine erste positive Bilanz. Mehrere Schüler seien nach der Grundausbildung in die Feuerwehr eingetreten. Zudem habe sich bei schwierigen Schülern das Sozialverhalten verbessert, so der Pädagoge. Angesichts der positiven Erfahrungen appelliert Landrat Schmidt an Kultusministerin Nicola Beer (FDP), dem rheinland-pfälzischen Vorbild zu folgen und den Weg für den Feuerwehr-Unterricht frei zu machen. Man sei bereit, ein Pilotprojekt zu starten. Schmidt: „Auf die Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehren und des Landkreises kann das Land zählen.“

Von Peter Ketteritzsch

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