Hubschrauber fliegt nur von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang

Rettung aus der Luft: Für Christoph 7 ist gute Sicht wichtig

Einsatzvorbereitung: Pilot Oliver Kaminski fährt den Rettungshubschrauber Christoph 7 in der Fliegerstaffel zur Startposition. Archivfoto: Fischer

Fuldatal/Kassel. Bei schweren Unfällen in der Region wird der Rettungshubschrauber Christoph 7 alarmiert. Rund ums Jahr steht die Maschine für Notfälle zur Verfügung, allerdings nur tagsüber.

So war der abendliche Einsatz vor einigen Tagen nach einem Unfall auf der A7 mit einem Sprinter und vier Schwerverletzten flugtechnisch an der Grenze des Möglichen.

„Von Sonnenaufgang beziehungsweise im Sommer ab 7 Uhr bis Sonnenuntergang ist der Hubschrauber einsatzbereit“, sagt Hans Bäuml, Flugeinsatzleiter der Bundespolizei-Fliegerstaffel Fuldatal. Fünf Piloten und eine Pilotin der Staffel fliegen im Wechsel den Hubschrauber vom Typ Eurocopter EC 135. Am Standort in Ihringshausen-West wird das Fluggerät gewartet und über Nacht in einem Hangar untergestellt.

Lesen Sie auch:

- Rettungsflieger dürfen bald nicht mehr überall landen

Zu dem Unfall auf der A 7 waren die Luftretter um 20.35 Uhr, also bei Tageslicht gerufen worden. Beendet war der Einsatz um 21.15 Uhr, also nach Sonnenuntergang, sagt Bäuml. Außerdem zog eine Regenfront heran. Daher flog Christoph 7 nicht zurück zu seiner Station auf dem Rot-Kreuz-Krankenhaus, sondern direkt zur Fliegerstaffel.

Denn der Hubschrauber wird von den Piloten auf Sicht geflogen. Dies gelte auch für die Landung am Notfallort, an dem Hindernisse wie Oberleitungen, Verkehrsschilder, Bäume und Büsche eine sichere Landung gefährden können. „Auf Autobahnen, denkt man, ist viel Platz, aber aus der Luft sieht das durch den Bewuchs oft anders aus. Dort im Dunkeln landen, geht gar nicht“, sagt Bäuml.

Eine gute Sicht sei im Rettungseinsatz unerlässlich. Trotz des kleinen Kastens unter dem Bug von Christoph 7 mit Namen Hellas (Helicopter-Laser-Radar), das auf Lichtbasis arbeite und Leitungen bis zu einem Durchmesser von acht Millimetern erkenne.

Technisches Hilfsmittel: Flugeinsatzleiter Hans Bäuml an einem Gerät mit Namen Hellas (Helicopter-Laser-Radar) unter dem Bug des Rettungshubschrauber Christoph 7, das auf Lichtbasis Leitungen mit einer Dicke ab 8 mm erkennt. Foto: Schräer

Und auch andere Hilfsmittel wie Nachtsichtgeräte, über die die Fliegerstaffel verfügt, werden in der Luftrettung nicht eingesetzt. Mit diesen Verstärkerbrillen sehe der Pilot nur zweidimensional und nur die Farben Grün und Schwarz.

Hubschrauber der Staffel fliegen seit 25 Jahren im Polizeieinsatz durchaus auch nachts, sagt Bäuml. Nur dann seien die Landeplätze bekannt „oder wir nehmen uns Zeit zur Aufklärung“. Das heißt laut Bäuml, dass der Pilot den Landeplatz drei- bis viermal überfliege oder eine zweite Maschine den Platz ausleuchte.

All dieses ist im Rettungsflug unter Zeitdruck nicht möglich. Somit der Pilot auf gute Sicht angewiesen. Trotzdem werden Hindernisse übersehen. So flog Christoph 7 vor Jahrzehnten in Göttingen in eine Oberleitung und stürzte ab. Alle Insassen überlebten. Anders als Mitte Januar nahe Oslo, wo ein Rettungshubschrauber wegen einer Leitung verunglückte, zwei Crew-Mitglieder starben, einer wurde schwerstverletzt, sagt Bäuml.

Von Michael Schräer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.