Keine Aussagen zu Gründen seines Rückzugs

Lohfelder Bürgermeister Reuter hört auf: Tops und Flops

Michael Reuter

Lohfelden. Mit dem Verzicht von Michael Reuter (SPD, 57) auf eine erneute Kandidatur als Bürgermeister geht in Lohfelden eine Ära dem Ende entgegen.

Reuter steht seit 2004 an der Spitze der Gemeindeverwaltung. Warum der amtierende Bürgermeister nicht erneut antritt, dazu äußerte er sich bisher nicht öffentlich.

Der ausgebildete Erzieher und langjährige Kommunalpolitiker der SPD wurde bei der Direktwahl vor elf Jahren mit mehr als 60 Prozent der Wählerstimmen auf den Chefsessel im Lohfeldener Rathaus gehoben. Seine Mitbewerber Birgit Kaiser-Wirz (CDU) und Olaf Köhne (Die Grünen) waren ihm deutlich unterlegen.

Bei der Wiederwahl im Jahr 2010 holte Michael Reuter ohne Gegenkandidaten 83,6 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung war mit 34 Prozent allerdings sehr schwach.

Während seiner Tätigkeit hat Michael Reuter von seinem als durchsetzungsstark geschätzten Vorgänger Bernhard Blank eingeleitete Großprojekte, wie den Siedlungsschwerpunkt am Lindenberg oder das Gewerbegebiet am Lohfeldener Rüssel, konsequent umgesetzt. Auch der Neubau der Gemeinde- und Schulbücherei und die neue Feuerwehrzentrale sowie erste Schritte für eine eigenständige Energieversorgung fallen in seine Amtszeit.

Die wirtschaftliche Lage Lohfeldens hat sich infolge der Investitionen und Kreditaufnahmen, auch durch die Mitfinanzierung örtlicher Schulprojekte, Mehraufwendungen für die Kinderbetreuung und hohe Personalkosten, deutlich verschlechtert.

Der Schuldenstand ist auf 9,1 Millionen Euro gestiegen, aber noch stehen der Gemeinde Rücklagen von 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Jahr mussten erneut Steuern und Gebühren erhöht werden, um ein Abgleiten unter den finanziellen Schutzschirm des Landes zu vermeiden.

Halbherzig: Die Straßenbahnanbindung wurde nicht entschlossen verfolgt.

Unter Druck geriet der im Mai 2016 ausscheidende Bürgermeister auch durch die überzogene Wintersperrung von mehr als 50 Verbindungswegen in der Gemeinde, die er einige Tage danach wieder zurücknehmen musste. Und durch die unselige Knöllchenvergabe an Einsatzkräfte der Feuerwehr, mit der Lohfelden erneut in die Schlagzeilen kam.

Der zunächst nachvollziehbare Verkauf der Richter-Industriehallen an ein Solarunternehmen aus Ahlheim im Landkreis Hersfeld-Rotenburg könnte sich, wie man heute weiß, für die Gemeinde als Bumerang erweisen: Die Pläne des Investors für ein europäisches Energie-Zentrum haben sich offenbar erledigt: Nach Informationen unserer Zeitung wird für den von einer Eigentümergemeinschaft großflächig mit Fotovoltaik-Anlagen bestückten Hallen-Komplex an der Langen Straße jetzt ein neuer Käufer gesucht.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.