Nachfrage nach Getrieben steigt

Riesen-Presse für Kupplungsteile wiegt 650 Tonnen

Baunatal. Die Arbeit der neuen Presse im Baunataler VW-Werk ist brachial: Mit einem Gesamtkraft von 2400 Tonnen soll der weiße Koloss mit dem orangefarbenen Stößel ab August Teile für Audi-Doppelkupplungsgetriebe formen.

Derzeit läuft der Aufbau der riesigen Maschine in Halle 2. Mit ihrer enormen Druckkraft ist sie die stärkste Presse am gesamten Standort. 650 Tonnen wiegt der Anlagenteil, der derzeit im Presswerk aus dem Keller 17 Meter bis unters Dach wächst. Das untere, allein 125 Tonnen schwere Bauteil war vor wenigen Tagen per Schiff von Rotterdam bis Hann. Münden gebracht worden. Von dort aus ging es mit Spezialtransportern über eine 120 Kilometer lange, für ein solches Gewicht geeignete Straßenroute bis nach Baunatal. Im Vergleich: Ein herkömmlicher Lkw wiegt lediglich 40 Tonnen. „Die Nachfrage an Kupplungen und Getrieben ist groß“, erläutert Markus Daniels, Leiter des konventionellen Presswerks, den Hintergrund für den Kauf der Presse von der spanischen Firma Fagor.

Die Investition sei in die Zukunft gerichtet, sagt Daniels. „Wir hatten veraltete Technik.“ Wie teuer die Maschine ist, verrät er nicht. Sie sei ein Teil der 500 Millionen Euro, die dieses Jahr am Standort investiert werden.

Haben den Aufbau der riesigen Presse vorbereitet: Dirk Vogt (von links), Markus Daniels, Mario Crespo, Sebastian Schott und Angel Angelo, nicht im Bild ist Planer Karl-Josef Hamm.

Eine moderne Presse drückt nicht mehr nur einmal bei einem Stahl- oder Aluminiumteil zu. Für die Umhüllung einer Audi-Kupplung beispielsweise müsse die Presse 13 Schritte nacheinander absolvieren, erläutert Mario Crespo vom Hersteller Fagor. „Das Bauteil ist sehr komplex.“ 30-.mal pro Minute wird sich der Stößel auf die Platine senken und den Hallenboden trotz enormer Verankerung in der Erde zum Vibrieren bringen. Damit das Material die Belastung überhaupt aushält, wurde das Fundament der Presse mit 44 Betonpfählen 20 Meter tief im Boden verankert.

Bedient wird das Monstrum letztendlich von einem Mitabeiter. Zwei weitere sind für das Stapeln der fertigen Teile nötig. Im nächsten Jahr soll eine weitere Presse dieser Art in Baunatal installiert werden. Die Ausschreibung laufe derzeit, erläutern die Verantwortlichen. Eine Erweiterung der Kapazitäten sei notwendig, so Daniels. Schließlich produziere das Presswerk auch für die Elektromodelle Golf und Up.

Auch wenn in Baunatal keine kompletten Auto gefertigt werden, Metallteile werden in großen Mengen geformt, wie VW-Sprecher Rusi Stassek erläutert. „Im Presswerk werden jeden Tag 1300 Tonnen Blech verarbeitet.“ 

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