Größte Kaninchen-Rasse der Welt

„Riesen sind sehr friedlich“

Keine Ausstellungen mehr: Die Deutsche-Riesen-Häsin Josephine, die bei der Documenta 13 gezeigt wurde, ist in Rente. Fotos:  Wienecke

Lohfelden. Frank Klappetek aus Lohfelden züchtet die größte Kaninchenrasse der Welt: die Deutschen Riesen.

Ganz vorsichtig pustet Frank Klappetek in das Fell von Josephine. Der Farbtrichter, der entsteht, zeigt den wunderschönen Farbverlauf von der Unterwolle zum Grannenhaar. Kein Wunder, dass die im April 2011 geborene Deutsche-Riesen-Häsin auf der Bundesschau in Erfurt im Dezember 2011 mit „Sehr gut“ bewertet wurde.

Richtig bekannt wurde das Tier, als Künstler im Rahmen der Documenta 13 ein Tier zum Ausstellen suchten. Mit dem Projekt „Der Hase lebt“ erinnerten sie an Joseph Beuys.

Feldhasen nicht geeignet

Auf Bitte des Landesverbandsvorsitzenden stellte Frank Klappetek sein zahmes Kaninchen zur Verfügung, nachdem er sich überzeugt hatte, dass gut auf es geachtet wird. „Mein kleiner Neffe hat immer mit der Häsin gespielt und ist zu ihr in den Käfig gekrabbelt, um mit ihr Möhren zu essen“, berichtet der 48-Jährige.

Benannt wurde Josephine im Rahmen des Projekts nach dem 1986 verstorbenen Künstler Joseph Beuys. Sechs Junge hat das neun Kilogramm schwere Tier inzwischen bekommen, an Ausstellungen nimmt es jedoch nicht mehr teil. „Josephine soll Ruhe haben, sie ist jetzt in Rente“, sagt Frank Klappetek.

Als 16-Jähriger angefangen

Der Vorsitzende des Deutsche Riesen-Clubs Kurhessen lebt in Ochshausen. Das Interesse an der Kaninchenzucht hat er von seinem Großvater geerbt. „Mit 16 Jahren war ich auf einer Vereinsschau. Danach habe ich mit dem Züchten angefangen. Erst wildgraue Deutsche Riesen, dann viele Jahre lang schwarze.“

Inzwischen züchtet der Krankenpfleger, der in der Klinik des Deutschen Roten Kreuzes in Kaufungen arbeitet, wieder wildgraue Deutsche Riesen. „Aus der Kasseler Ecke bin ich der einzige Züchter“, sagt er.

„Riesen sind sehr friedlich, aber vom Kraftaufwand auch anders zu handhaben“, gibt er zu bedenken und weist auf ihre imposante Erscheinung und Körperhaltung hin. „Sie stellen etwas dar. Sie sind aber auch erfinderisch: Manche duschen gern mit ihrer Trinkwasserflasche“, erzählt er.

Neben 300 Gramm Pellets gibt es für die 72 Zentimeter lange Josephine und ihre Artgenossen jeden Tag Stroh, Heu und Grünes aus dem Garten in Maßen. „Futterrüben sind gut für die Därme und den Wasserhaushalt“, sagt Frank Klappetek.

Fünf bis sechs Jahre alt können die größten Kaninchen der Welt werden. Beim Schautraining darf Josephine als Rentnerin nun schwänzen, ferner gibt es für sie extra viele Streicheleinheiten und ab und zu Haferflocken als Leckerlis.

Hintergrund

Die größte Kaninchenrasse der Welt heißt Deutsche Riesen. Sie wiegen zwischen sieben und elf Kilogramm. Die meisten auf Ausstellungen gezeigten Tiere wiegen acht bis zehn Kilogramm. Jedes Ohr ist zwischen 19 und 23 Zentimeter lang. Nach einer Tragzeit von 30 bis 32 Tagen kommen die Kaninchen nackt zur Welt. Etwa18 bis 20 Tage bleiben die Jungen im Nest, sechs bis acht Wochen bleiben sie bei der Mutter.

Für die Häsin ist ein Wurf von sechs bis acht Kaninchen ideal. Dem Deutsche Riesen-Club Kurhessen, der 1978 gegründet wurde, gehören Züchter aus Lohfelden, Großamerode, Eschwege, dem Raum Fulda, Frankenberg, Ringgau (Werra-Meißner-Kreis) und dem Eichsfeld in Thüringen an, die jeweils auch Mitglieder in örtlichen Vereinen sind.

Von Bettina Wienecke

Lohfeldener züchtet Deutsche Riesen

Kontakt: Deutsche Riesen-Club Kurhessen, Frank Klappetek, Vorsitzender, Tel. 0561/51 72 91, Infos: www.riesen-kaninchen.de

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