Zimmer mit schöner Aussicht

Ritterschaftliches Stift saniert historisches Fachwerkhaus

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Beherrschend über dem Ortskern von Oberkaufungen: Das Innere des Fachwerkhauses des Ritterschaftlichen Stiftes soll im kommenden Jahr von Grund auf saniert werden. Ab 2015 sollen die drei 100 Quadratmeter großen Wohnungen vermietet werden. 

Kaufungen. Es ist eines der stattlichsten Fachwerkhäuser Kaufungens - und es ist das Haus mit dem spektakulärsten Blick auf den historischen Ortskern von Oberkaufungen. Das verrät schon die Postanschrift: Schöne Aussicht 9, direkt neben der Stiftskirche.

Von außen ist der dreigeschossige Bau mit seiner auffallenden Fachwerkfassade in vorzeigbarem Zustand, doch im Inneren sieht es aus wie in den 50er-Jahren. Das will das Ritterschaftliche Stift als Eigentümer des Hauses im kommen Jahr ändern.

Stilgerechte Lehmwände

„Wir werden die drei Wohnungen im Haus von Grund auf sanieren“, sagt Henn-Wolfram Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Der 61-Jährige ist Obervorsteher des Stiftes und damit so etwas wie der geschäftsführende Vorstand der knapp 500 Jahre alten Stiftung.

Nachdem die letzte Mieterin das Haus vor Kurzem verlassen hat, kann jetzt die Renovierung des imposanten Gebäudes beginnen. In Absprache mit der hessischen Denkmalpflege sollen die drei jeweils rund 100 Quadratmeter großen Wohnungen modernisiert werden, ohne dass das historische Ambiente verloren geht. Gasbetonsteine von der jüngsten Renovierung im Jahr 1952 werden gegen stilgerechte Lehmwände ausgetauscht. Die maroden Fußböden werden ebenso erneuert wie der ganze Rest. Und die historische Treppe aus dem Jahr 1830 wird komplett erhalten und saniert. Vermoderte Holzbalken sollen durch gut erhaltene aus früheren Fachwerkhaus-Abrissen ersetzt werden.

Gewölbekeller für den Wein

Schönes Schnitzwerk: Die alte Tür trägt die Jahreszahl 1952, als das Gebäude zuletzt restauriert wurde.

Was das alles kosten wird, kann Baron Riedesel noch nicht sagen, zur Finanzierung sollen auch Fördermittel der hessischen Denkmalpflege beantragt werden. Klar ist aber, dass die Wohnungen später einmal auf dem freien Markt angeboten werden sollen.

Die künftigen Mieter erwartet durchaus Spezielles: Ein alter Gewölbekeller für den Weinvorrat, zum Beispiel. Der lauschige, kleine Garten mit seinen alten Bäumen schließt direkt an die Stiftskirche an, die umfriedende Mauer ist Jahrhunderte alt und die Aussicht ins Lossetal ist - na ja, eben sprichwörtlich schön. Und Kneipe und Kirche zur spirituellen Erbauung sind direkt nebenan.

Hintergrund: Philipp gab 1532 den Anstoß

Das Ritterschaftliche Stift zu Kaufungen wurde 1532 unter Landgraf Philipp dem Großmütigen gegründet und sollte nach der Säkularisierung der Klöster die adligen Töchter der Ritter versorgen, die bislang als Nonnen ihr Auskommen hatten.

Damals fanden hier die unverheirateten Mädchen aus gut 300 hessischen Adelsfamilien Unterschlupf, heute bilden noch 40 blaublütige Familien mit etwa 300 Mitgliedern die gemeinnützige Stiftung. Einer von drei Obervorstehern ist Baron Henn-Wolfram Riedesel Freiherr zu Eisenbach. Im bürgerlichen Leben ist er Rechtsanwalt in Lauterbach.

Die Stiftung ist bis heute sozialen Zwecken verpflichtet, inzwischen werden aber nicht nur Frauen, sondern auch bedürftige Männer und junge Auszubildende unterstützt. Der Stiftung gehören die fast 1000 Jahre alte Stiftskirche und die Fachwerkhäuser des Stiftshofs.

Haupteinnahmequelle ist der 1600 Hektar große Stiftswald zwischen Helsa und Oberkaufungen, der nach modernen forstwirtschaftlichen Regeln bewirtschaftet wird. (tom)

Von Thomas Stier

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