Kulturtage: Kabarettist Florian Brauer zu Gast

Robbie Wiliams an der Wursttheke

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Musikcomedy: Florian Brauer überzeugte mit seinem Solo-Programm als „Musikpaparazzo“.

Espenau. Dieser Einstieg war nichts für Vegetarier: Mit einem hymnischen Loblied auf das Ihringshäuser Fleischereihandwerk eröffnete Florian Brauer seine fulminante Ein-Mann-Show bei den Espenauer Kulturtagen.

Zum zitaten- und anspielungsreichen Abend gehörten eine Persiflage auf Robbie Williams, der seine Wünsche vor der Wursttheke mit dem deutenden Finger und einem „I Take That!“ offenbarte - und somit zum Namen seiner Band kam.

Das kolportierte „Let me entertain you“ (Lassen Sie sich unterhalten) konnte als Motto über dem Abend stehen, in dem sich Florian Brauer als Multitalent hinter dem Piano offenbarte und die Zuhörer im vollen Saal des Wickehofes in rasantem Tempo durchs Showgeschäft jagte und dieses aus der Sicht eines Paparazzos beleuchtete.

Dabei war nicht auszumachen, was mehr faszinierte: Sein musikalisch-künstlerisches Handwerk, wo er mit seiner vielseitigen solistischen Stimme alles in humoristischer Verfremdung abarbeitete oder sein rasantes Klavierspiel, das auch ganz lässig in entlegenste Tonarten modulierte. Überzeugend auch seine Fähigkeit der Stimmenimitation: Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg, Peter Maffay, Howard Carpendale und Peter Alexander waren zu hören.

Das kabarettistische Rezept war klar: einem musikalischen Original mit einer Überdosis Humor eine fantastische Geschichte überzustülpen. So wurde aus Tokio Hotels Song „Monsun“ in Anlehnung an DDR-Stereotypen der Song vom „Konsum“, der grauen Mangel-Einkaufswelt; so wurde aus Michael Jacksons „Billy Jean“ der Song von den „Billigen Jeans“, die sich natürlich nicht bewähren.

Mit einem pessimistischen Blick auf die aktuelle Musikpraxis („Warum geht es dem Chorgesang so schlecht in deutschen Landen?“), den neuen Möglichkeiten („Sollen sich doch Facebook-Chöre finden!“) beendete Florian Brauer einen Abend, der nur so spruehte vor Witz und Musikalität.

Fazit: Solange es in den Schulen Musiklehrer wie Florian Brauer gibt, kann es gar nicht so schlecht bestellt sein um die Musikpraxis.

Info: Nächster Abend der Espenauer Kulturtage: Freitag, 31. August, 20 Uhr: Mariendorfer Damenquartett (ausverkauft).

Von Angelika Großwiele

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