Konfirmanden von 1953 feierten ihr Jubiläum in Weimar – Einige mit weiter Anreise

Rohrstock statt Zuckertüte

Fröhliches Wiedersehen: Pfarrerin Ute Dilger (rechts außen) mit den diamantenen Konfirmanden in Ahnatal-Weimar. Foto: Kothe

Ahnatal. Wie die Zeit vergeht – und dennoch ist es, als sei es erst gestern gewesen. So mancher Schabernack ist den Konfirmanden aus 1953 noch in bester Erinnerung. Jetzt feierten 30 von ihnen in Weimar die diamantene Konfirmation.

Uschi Forstmeyer erinnert sich an den Tag, als die Orgelpfeifen geputzt werden sollten und stattdessen auf ihnen geblasen wurde: „Was für ein Ärger!“ Pfarrer Willi Schliewe hatte wenig Sinn für Humor: „Die Konfirmation sollte ins Wasser fallen.“ „1944 gab es keine Zuckertüte, kein Foto, aber einen Rohrstock“, sagt Heinz Lotzgeselle über seine Schulzeit. „So streng wie die Schule war auch der Konfirmandenunterricht“, ergänzt Wilfried Homburg.

Täglich Glocken läuten

Dazu zählten viele Pflichten: So mussten Karl-Heinz Kaczmarek und Horst Grutke dreimal am Tag die Glocken läuten: „Morgens, mittags und abends.“ Dafür gab es fünf 5 Mark (2,50 Euro) im Monat. Und zu Hochzeiten traten die beiden den Blasebalg der Orgel. „Für 50 Pfennig auf die Hand“, erzählt Grutke.

Trotzdem war es für die über 60 Konfirmanden eine fröhliche Zeit. „Unsere Konfirmation war ein schöner Tag“, sagt Kaczmarek. Herbert Möller erinnert sich an seinen ersten feinen Anzug: „Gekauft in Kassel.“ Er ist aus Berlin gekommen. Andere aus Hamburg, Wiesbaden und Aschaffenburg.

„Schön, dass sie von so weit her gekommen“, freut sich Lotzgeselle. Diakonisse Margarete Dietzsch ist von Marburg angereist: „Diakonisse zu werden, war mein Weg.“ Und der hat sie bis an die Elfenbeinküste geführt: „Die anderen warten schon gespannt auf Erzählungen.“

Der Gottesdienst von Pfarrerin Ute Dilger stand unter dem Motto „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ aus dem Römerbrief 12. Ein Spruch, der im Jahr 1953 mehr denn je aktuell war: „Sie waren 14 Jahre alt. Manches hatten Sie da schon vom Ernst des Lebens gespürt - manchen Hunger an Leib und Seele erlitten. Eine Kindheit in der Nachkriegszeit, das war sicher nicht leicht“, sagt die Pfarrerin in ihrer Predigt.

Christiane Reuse und ihr Volkschor ließen den Gottesdienst auch musikalisch zu einem Fest werden. Im Anschluss traf sich die gut gelaunte Schar diamantener Konfirmanden zu einem gemütlichen Mittagessen im Weidengarten. Es wurde viel geplauscht und gelacht, in Erinnerungen geschwelgt und alten Fotos geblättert. So soll es bei einem Wiedersehen nach 60 Jahren schließlich auch sein.

Von Helga Kristina Kothe

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