Rothwesten: 500 informierten sich über Flüchtlingssituation

Stellten sich den Fragen der Bürger: Unser Bild zeigt die Vertreter des Landkreises Hans-Joachim Ulrich (von links), Nicole Spangenberg und Jörg Rossberg, Leiter Fachbereich Soziales, sowie die Vertreter der Gemeinde Fuldatal Stefanie Roß-Stabernack, Bürgermeister Karsten Schreiber, Erwin Sedlazek, Martin Gronemann und Michael Thöne.

Fuldatal. Die Ereignisse überschlagen sich: Nachdem am Freitag bekannt geworden war, dass in der Fritz-Erler-Anlage eine weitere Erstaufnahme des Landes Hessen eingerichtet wird und bis zu 1000 Flüchtlinge dort untergebracht werden sollen, haben die Menschen am Dienstagabend ihren Ängsten Luft gemacht.

Sie haben aber auch gezeigt, dass sie die Herausforderung annehmen und die Flüchtlinge unterstützen werden.

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Die Vertreter des Landkreises Kassel und der Gemeinde Fuldatal haben am Dienstagabend um Unterstützung, Geduld und Akzeptanz für die Flüchtlinge geworben. „Sie dürfen ihre Ängste benennen, sie aber nicht gegen die Flüchtlinge verwenden“, sagte die Gemeindevorsitzende Stefanie Roß-Stabernack (SPD) zu Beginn der Bürgerversammlung vor rund 500 Menschen. Landkreis und Gemeinde arbeiten an einer Willkommenskultur, war der Tenor des Abends. Gleichzeitig wurde nicht verschwiegen, dass es auch Probleme geben wird: „Fakt ist, wir haben ein globales Problem, das wir nicht lösen können, aber wir können die Situation vor Ort gestalten.

DAS BEWEGT FULDATAL

Den Menschen in Fuldatal brannten indes viele Fragen unter den Nägeln: Wie wird die ärztliche Versorgung gewährleistet? Sind die Kinder schulpflichtig? Wie soll es weitergehen und wo führen die Entwicklungen noch hin? Welche Ansprechpartner gibt es? Wo können Hilfen angeboten werden? Wo kommen die Flüchtlinge her? Wer übernimmt die Kosten? Wer haftet für etwaige Schäden? Und wer schützt uns?

UNTERKUNFT DES KREISES

Jörg Rossberg, Leiter des Fachbereichs Soziales beim Landkreis Kassel, informierte die Menschen zunächst über die Aufgaben des Kreises und seine Pflichten. Derzeit gebe es etwa 20 Unterkünfte, die vom Landkreis aufgebaut und in Kooperation mit den Kommunen betrieben werden. Während dem Kreis im Jahr 2008 nur 35 Flüchtlinge durch das Land Hessen zugewiesen wurden, seien es im Moment 70 Flüchtlinge pro Woche, schilderte Rossberg und bat um Hilfe aus der Bevölkerung. „Die Asylverfahren dauern teilweise eineinhalb Jahre.“ Das Problem: So lange der Aufenthaltsstatus nicht geklärt ist, erhalten diese Menschen keine Sprach- und Integrationskurse. Der Landkreis hofft nun auf Unterstützung aus der Bevölkerung, um diese Menschen trotzdem frühzeitig zu integrieren.

ERSTAUFNAHME

Ein Vertreter des Regierungspräsidiums (RP) war nicht vor Ort. Grund: Offenbar sind die Zuständigkeiten noch nicht geklärt. Grundsätzlich ist das RP Gießen für die Erstaufnahme von Flüchtlingen in Hessen verantwortlich. Bürgermeister Karsten Schreiber (CDU) versuchte trotzdem so viele Fragen wie möglich zu beantworten und vermittelte den Menschen, dass er bereits verlässliche Zahlen vom Ministerium in Wiesbaden gefordert hat, um planen zu können.

„Es sollen vier Gebäude auf unterstem Level hergerichtet werden“, sagte der Verwaltungschef. Kaputte Fenster und Türen würden ausgetauscht. Jedes Gebäude erhalte eine Gas-therme und einen Stromanschluss. Vor den Häusern werden Sanitärcontainer aufgestellt. „Einige Heizkörper müssen ersetzt werden, die von Diebesbanden gestohlen wurden.“ Außerdem werden Außenbeleuchtung und Bewegungsmelder installiert. Um das gesamte Areal soll ein Zaun gezogen werden. In den kommenden vier bis sechs Wochen werden die ersten Menschen dort einziehen.

Ob letztendlich mehr als 1000 Flüchtlinge in Rothwesten untergebracht werden, konnte Schreiber nicht beantworten. Sicher sei lediglich, dass die Kapazitäten der Kläranlage in Wilhelmshausen begrenzt sind. „Für mehr als 1000 Flüchtlinge reicht die Kapazität nicht aus.“

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