Ehemaliges Freizeitheim des Landkreises Kassel bei Nieste beherbergt zurzeit 32 Asylsuchende

Rotte Breite bietet vorerst Schutz

Hoffen auf ein besseres Leben in Sicherheit: 32 Menschen aus sieben Familien leben im ehemaligen Freizeitheim Rotte Breite des Landkreises Kassel in Nieste. Sechs Familien sind Roma aus Serbien und Mazedonien, eine kommt aus Afghanistan. Hinten rechts mit Hut Hans-Joachim Ullrich, der die Menschen in allen neuen Asylheimen des Landkreises betreut. Foto: Stier

Nieste. Gut zehn Monate nach Schließung des ehemaligen Freizeitheims in Nieste herrscht wieder Leben in der Rotte Breite: Sieben Familien aus Serbien, Mazedonien und Afghanistan mit zusammen 32 Menschen haben in den Häusern am Waldrand oberhalb von Nieste vorerst eine Bleibe gefunden.

Viele Kleinkinder, einige Heranwachsende, ein paar Teenager und deren Eltern haben sich in den vergangenen vier Wochen in den idyllisch, aber auch abseits gelegenen Häusern eingerichtet. Sechs Familien gehören der Volksgruppe der Roma an, die siebte besteht aus Muslimen aus Afghanistan. Alle sind erst seit wenigen Wochen in Deutschland und verfügen kaum über Deutschkenntnisse.

Betreut werden sie von dem Sozialpädagogen Hans-Joachim Ullrich (59), der sich auch um die anderen neu geschaffenen Asylheime des Landkreises in Vellmar, Fuldatal-Ihringshausen und demnächst in der ehemaligen Pommern-Kaserne in Wolfhagen kümmert.

Bis auf kleine Konflikte in der Bewältigung des Alltags aus Putzen, Waschen und Kochen klappt das Zusammenleben in dem Freizeitheim gut, meint Ullrich. Inzwischen sei es auch gelungen, vier der Kinder in der Niester Grundschule unterzubringen, die älteren Mädchen könnten Kasseler Schulen besuchen.

„Am wichtigsten ist es für sie zunächst, Deutsch zu lernen.“

Hans-Joachim Ullrich

Für fast alle Familien sei der Asylantrag bereits abgelehnt, erläutert Jörg Roßberg, Fachbereichsleiter Soziales beim Landkreis. Dagegen würden die Menschen nun Widerspruch einlegen, dann werde vermutlich geklagt. Das ganze Verfahren könne eineinhalb Jahre oder auch länger dauern. Krieg herrscht im ehemaligen Jugoslawien schon lange nicht mehr, so treibt die Hoffnung auf ein besseres Leben die Familien nach Deutschland. Deshalb müssten ihnen auch Bildungs-, Integrations- und Arbeitsmöglichkeiten gegeben werden, obwohl die Chancen auf ein dauerhaftes Bleiberecht in Deutschland verschwindend gering seien. Roßberg: „Die Quote liegt zwischen 0,2 und zwei Prozent.“

Der Status als Asylheim ist für die Rotte Breite zunächst auf ein halbes Jahr befristet, die Gemeinde Nieste hofft, das Gebäude-Ensemble ab April 2014 als Wanderer-Hotel vermarkten zu können.

Ob das so kommt, ist aber offen. Die sonst ungenutzte Immobilie des Landkreises ist in gutem Zustand und nach Einschätzung Roßbergs ideal geeignet, Asylbewerber unterzubringen. Würden die etwa in ein Hotel verlegt, wären pro Kopf und Tag rund 35 Euro fällig. HINTERGRUND / MEHR ZUM THEMA AUF DER NÄCHSTEN SEITE

Von Thomas Stier

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