Ruhe bewahren

Polizei- sprecher

Der fünfjährige Yannik Held, der nach der Schule nicht nach Hause kam, hat am Montag die Menschen in Vollmarshausen in Atem gehalten. Über die Suche in dem Lohfeldener Ortsteil und das richtige Verhalten im Fall des Falles sprach HNA-Redakteur Peter Ketteritzsch mit Kriminaloberrat Wolfgang Jungnitsch, dem Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen.

Herr Jungnitsch, wann sollten Eltern die Polizei alarmieren, wenn sie ihr Kind vermissen?

Wolfgang Jungnitsch: Zunächst sollte man die Ruhe bewahren und intensiv überlegen, wo sich das Kind vielleicht aufhalten könnte. Kinder vergessen beim Spielen auch gelegentlich die Zeit. Wenn die naheliegenden Überprüfungen und Nachfragen bei Schulfreunden oder Bekannten nichts ergeben haben, sollte man mit der Polizei Kontakt aufnehmen.

Welche Absprachen zwischen Eltern und Kindern sind ratsam, damit es nicht zu Situationen wie der in Vollmarshausen kommt?

Jungnitsch: Eltern sollten immer wissen, wo sich gerade auch kleinere Kinder aufhalten. Das kann man mit Kindern vertrauensvoll besprechen und ihnen dabei auch deutlich machen, dass man die Verantwortung für sie trägt und es für beide Seiten wichtig ist. Nichtsdestotrotz kann es wie in diesem Fall auch mal passieren, dass es mal nicht so klappt. Ich denke, alle Beteiligten einschließlich der Polizei waren glücklich, als der Kleine wieder da war.

Nach welchen Kriterien entscheidet die Polizei, ob sie eine Suchaktion startet?

Jungnitsch: Jeder Fall ist anders. Die Polizei versucht bei ihrer Beurteilung der Lage immer, alle Fakten zu bewerten und trifft dann eine Entscheidung. Je jünger ein Kind ist, desto brisanter kann das Verschwinden auch sein. Natürlich spielt dabei auch eine Rolle, wie lange das Kind schon weg ist. Im konkreten Fall in Vollmarshausen war es am späten Nachmittag vor allem das drohende Hereinbrechen der Dunkelheit, die natürlich weitere Suchmaßnahmen erschwert hätte.

In Vollmarshausen waren auch ein Polizeihubschrauber und die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz. Wie oft kommt es vor, dass Kinder mit diesem Aufwand gesucht werden?

Jungnitsch: Das ist immer von den Umständen des Einzelfalles abhängig. Hier waren es vor allem das Alter des Kindes, die Dauer des Verschwindens und die dunkle Jahreszeit, dass gleich ein breites Spektrum von Maßnahmen ergriffen wurde. Bei Kindern nimmt die Polizei grundsätzlich eine Gefahr für Leib oder Leben an, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben und Erkenntnisse sowie Ermittlungen nichts anderes ergeben. Archivfoto: nh

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