Ruheforst in Kaufungen schon zu einem Drittel belegt

Ruheforst: Schon 280 Urnengräber unter Bäumen

Bestattungen unterm Kreuz im Wald: Meist werden Christen, manchmal auch Atheisten, im Ruheforst von Kaufungen beigesetzt. Einmal aber, so Stiftswald-Förster Carl Hellmold (links), gab es sogar eine buddhistische Beerdigung. Fotos: Stier

Kaufungen. Im Oktober 2009 wurde der Ruheforst im Stiftswald bei Oberkaufungen eröffnet. Seitdem sind hier 280 Verstorbene in biologisch abbaubaren Urnen im Wurzelwerk von Eichen und Buchen beigesetzt worden.

„Wir merken, dass diese naturnahen Bestattungen den Hinterbliebenen richtig guttun, sie äußern sich meist sehr zufrieden“, sagt dazu Stiftswald-Förster Carl Hellmold.

Mehr als ein Drittel der 432 Bäume auf der vier Hektar großen Fläche ist laut Hellmold inzwischen verkauft. Bis zu zwölf Urnen finden unter jedem Baum Platz. Die Käufer - die meisten sind älter als 60 Jahre - kommen aus dem gesamten Raum Kassel, aber auch aus Hessisch Lichtenau und Großalmerode. Am meisten werden Ruhestätten für Gemeinschaftsbäume erworben, etwa ein Drittel sind Familien- oder Freundschaftsbäume für Menschen, die auch nach dem Tod zusammenbleiben wollen.

Für 99 Jahre

Die Gründe für ein Grab im Wald sind vielfältig. Einige wollen die Zwänge und Einschränkungen der herkömmlichen Friedhöfe vermeiden. Auch den Kindern soll zeit- und kostenaufwendige Pflege von Grabstätten erspart werden. Allen aber gefällt der Gedanke, die nächsten 99 Jahre eingebettet in einem schönen Stück Natur zu ruhen. Kaum jemand störe sich daran, dass die Trasse der künftigen A  44 nur 350 Meter entfernt verläuft, berichtet Stiftsförster Hellmold. Gleichwohl bereiten ihm die vielen noch immer offenen Fragen rund um die Autobahn bei Kaufungen Kopfzerbrechen bei seinen Erweiterungsplänen für den Ruheforst. Noch muss er davon ausgehen, dass der heutige Trinkwasserbrunnen an der Kohlenstraße der Autobahn weichen muss. Ein neuer, bereits gebohrter Brunnen nahe der Begräbnisstätte verhindert, dass eine Erweiterung direkt an den heutigen Gräberwald anschließen kann.

Die fünf Hektar, die zur Vergrößerung des Ruheforstes ausgewiesen sind, liegen oberhalb in Richtung Michelskopfsee und sind eigentlich nur zweite Wahl. Hellmold: „Angehörige wüssten ja nicht immer, ob die gesuchte Grabstätte auf der ersten oder der zweiten Fläche liegt.“

Nachfragen bei den Autobahn-Planern sind bisher ergebnislos geblieben. Immerhin hat Hellmold läuten hören, dass es Chancen gibt, den heutigen Brunnen Kohlenstraße doch zu erhalten, was auch von der politischen Gemeinde gewünscht wird. Der Förster bereitet sich daher schon mal darauf vor, die Ruhestätte direkt im Wald nebenan zu erweitern.

Von Thomas Stier

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