72 Sänger des Thomanerchores Leipzig zu Gast in Lohfelden

Warmsingen nach der Ankunft: Vor dem Gasthaus „Zur Post“ in Lohfelden hat Christine Küllmer ihre zwei Thomanerchorknaben Jan Lutz und Joseph Georgi (beide 12 und aus Leipzig) empfangen. Zu ihnen gesellte sich Regine Lehnert, die Theodor Edmud Ulbricht (10) und Angelo Grobe (11) bei sich aufgenommen hat. Foto: Nickoll

Einige gingen vor ihrem Auftritt heute Abend in der Stiftskirche in Oberkaufungen im Kasseler Buga-See baden.

Lohfelden/Kaufungen. „Ursprünglich hatte ich geplant den Herkules zu besichtigen“, sagt Christine Küllmer, Gastmutter zweier Thomanerchorknaben für einen Tag, kurz vor Ankunft der Tourbusse in Lohfelden gestern Mittag. „Wir wollen die Jungs aber nicht überfordern, sie sollen genug Zeit haben sich auszuruhen.“

Küllmer ist eine von etlichen Freiwilligen, die sich um zwei Jungs des traditionsreichen Chors aus Leipzig kümmern. Etwas aufgeregt ist sie, denn es ist ihr erstes Mal - wie auch für Regine Lehnert: „Wir haben eine herrliche Wohnung mit einem großen Bett für jeden“, sagt Lehnert, während sie gerade den Nudelauflauf zubereitet.

Kurz nach der Ankunft stehen fast alle Gasteltern rund um das Hotel „Zur Post“. Nur 17 der 72 Chorknaben übernachten dort - die Älteren - alle anderen in Familien.

„Mein Mann und ich lieben Bach“, sagt Bettina Wippermann über ihr Motiv, zwei Jungen aufzunehmen. Johann Sebastian Bach leitete den Chor von 1723 bis 1750 und machte ihn berühmt. Zusammen mit ihrem Sohn (17) und ihrem Ehemann werde sie das zweistündige Bach-Konzert am Abend in der Stiftskirche in Oberkaufungen besuchen, sagt Wippermann.

Vor den Bussen ruft ein Betreuer die Namen der Gasteltern auf, zwei noch sehr kleine Jungs laufen mit im Verhältnis zur Körpergröße riesigen Koffern auf einen älteren Herren zu, sagen „Hallo“ und verschwinden Richtung Auto. Nur zwei Jungs stehen am Ende ohne Eltern da - spontan erklärt sich Stefanie Bastuck bereit, sie zusätzlich zu ihrem Thomaner noch mitzunehmen. „Dann ist ja noch mal alles gut gegangen“, sagt Margit Schumann, Kultursommer-Dramaturgin erleichtert.

Jan Lutz und Joseph Georgi sind die Gäste von Christine Küllmer. Vor dem großen Auftritt wünschen sie sich nach dem Essen - Spaghetti, Schnitzel und Obst - eine Abkühlung im, wie sie sagen „kühlen Nass“ des Kasseler Buga-Sees. Eigentlich ist eine Mittagsruhe von 90 Minuten vorgesehen, um 18 Uhr beginnt die Probe. „Dass wird noch ein bisschen stressig“ sagt Jan. Im kurzen Gespräch wird deutlich: Die beiden 12-Jährigen nehmen ihre Sache ernst. Joseph erzählt, dass er sich ein halbes Jahr auf die Aufnahmeprüfung vorbereitet habe. „Man muss vielseitig musikalisch begabt sein.“ Neben den Schulnoten wird auch das Instrumentalspiel bewertet. Joseph spielt Klavier, Zimmernachbar Jan Klavier und Querflöte. „Als Kleinkind habe ich gerne gesungen“, antwortet er auf die Frage, wie er zum berühmten Chor kam.

Von Nina Nickoll

Hintergrund

Der Thomanerchor genießt weltweites Renommee. Ihm gehören rund 100 Jungen im Alter von 10 bis 18 Jahren an. Er widmet sich der Pflege der Kirchenmusik, vor allem der Werke Johann Sebastian Bachs (1685-1750). Das Repertoire reicht von der Gregorianik bis zur Moderne. 1920 machte der Chor seine erste Auslandstournee nach Dänemark und Norwegen. Heute geben die Jungs deutschlandweit Konzerte und Gastspiele auf dem ganzen Globus. Die Heimstatt der Thomaner als Kirchenchor ist die Leipziger Thomaskirche. An jedem Wochenende singen die Thomaner hier Motetten, begleitet vom Gewandhausorchester. (dpa/nni)www.thomanerchor.de

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