Sammler Klaus Lotz über den Maler Georg Höhmann

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Besitzen Bilder von Höhmann: Elfriede Kniep (Nichte von Höhmann) mit dem Bild „Hofbleiche mit Weinberg“ von 1926 mit der Henschelvilla im Hintergrund und Klaus Lotz (rechts) mit einer Monotypie von 1957.

Das Interesse an Monotypien brachte Klaus Lotz auf die Spur Georg Höhmanns. Es handelt sich um Bilder, die zum Beispiel auf Glas gemalt und dann auf Papier gedruckt werden. Mit dieser Technik hatte sich Höhmann von 1957 bis 1969 ausschließlich befasst. „Das hat meines Wissens kein Maler so systematisch betrieben“, sagt der 59-jährige Lehrer aus Essen.

Seine Recherche führte ihn zur Familie Kniep in Ihringshausen. In seinem Geburtsort hatte Höhmann seine letzten Jahre gelebt. Nahe seiner Stiefschwester Martha Rumpf, die sich wie andere Familienmitglieder um den gesundheitlich angeschlagenen Maler kümmerte. „Bei uns ist er auch 1973 gestorben“, sagt Elfriede Kniep, Tochter von Martha Rumpf und Nichte des Malers.

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Im Atelier des Künstlers an der Kasseler Schönen Aussicht sei sie als kleines Kind noch Anfang der 30er-Jahre gewesen, sagt die 81-Jährige. Anschließend verlegte der Künstler seine Wirkungsstätte nach Ihringshausen. Dort hatte die Gemeinde ihm ein Grundstück zur Verfügung gestellt. Er baute dort ein Holzhaus mit Atelier, heute das Vereinsheim des Kaninchenzuchtvereins K 48. In seinen letzten Jahren habe sie ihren Onkel nur an Sonntagen gesehen, „wenn er zum Essen kam“, sagt Elfriede Kniep.

Mit den nicht gegenständlichen Werken wie den Monotypien kann die Seniorin wenig anfangen. Ihr Onkel habe gesagt, bei den abstrakten Bildern „muss man einen roten Faden suchen. Ich habe nie einen gefunden“, sagt die Seniorin.

Von Familie Kniep kaufte Lotz Anfang dieses Jahrhunderts einen Großteil der noch vorhandenen Werke Höhmanns. Das Interesse an dem Ihringshäuser Maler machte den Essener zum Höhmann-Experten. Und der räumt auf mit einer weit verbreiteten Ansicht, die den Künstler in die Nähe der Nazis rückt.

Das Gegenteil sei der Fall. So schreibt Höhmann 1933 in einem Brief: „Seht euch die Richtungsmacher an, prüft, ob sie wirklich etwas geben. Ich kämpfe stets für das Neue – aber nicht für die Diktatur des Neuen.“

1934 sei Höhmann eine Professur in München angeboten worden, Bedingung: Eintritt in die NSDAP. Höhmann lehnte ab und wusste, dass damit seine Karriere beendet war, Anerkennung und Erfolg blieben ihm verwehrt, sagt Lotz.

Lotz lobt die Vielfältigkeit des Einzelgängers, der „mit Geld nichts am Hut hatte“, sich oft durchschlagen musste und „mit seinen Bildern verheiratet war“.

So reiche die Bandbreite Höhmanns von der Darstellung der heilen Welt im Stil des 19. Jahrhunderts über Landschaftsmalerei bis zur Befreiung der Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der informellen Malerei, die mit dem Zufall arbeitete.

Klaus Lotz hatte seinerzeit den Anstoß für die Ausstellung in Fuldatal zum 30. Todestag des Künstlers gegeben. Wegen seiner Hilfe setzte ihn Bernd Schmidt als Co-Autor mit auf den Buchtitel. (mic)

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