Sanierungsmarathon mit Hürden

Arbeiten an der künftigen Kommune Lossehof sind in Verzug

Sisyphusarbeit: Im Gesindehaus (links) sind die alten Fenster schon ausgebaut.

Kaufungen. Der Verfall auf dem früheren Hof Hubenthal an der Losse in Oberkaufungen ist allgegenwärtig: Die Fassade des Haupthauses wird von dicken Stahlstützen vor dem Einsturz bewahrt, Fußböden sind brüchig.

Das Dach ist nur notdürftig geflickt, die Fenster sind marode, die große Scheune nicht viel mehr als eine Ruine. Doch im Gesindehaus des über 200 Jahre alten Hofs tut sich etwas, entsteht behaglicher Wohnraum. Ein Bautrockner summt vor sich hin, ein Holzofen verbreitet Wärme. Sarah Link, Georg Borchardt und weitere Aktive des Baukollektivs der neuen Kommune Lossehof streichen Lehmputz zwischen dem Fachwerk glatt. Neue Stromkabel winden sich unter der Decke, der Fußboden ist schon mit Vollholzplatten erneuert worden. „Es geht langsamer voran als gedacht“, sagt Sarah Link vom Verein Lossehof, der Träger des Kommuneprojekts von bisher 18 Erwachsenen mit gut einem halben Dutzend Kindern und Eigentümer des Hofes ist.

Lesen Sie auch:

- Im früheren Hof Hubenthal in Oberkaufungen entsteht Lebensgemeinschaft

- Wanfried hat geniale Idee: Niederländer retten Fachwerk

Mit einem Etat von zwei Millionen Euro, gespeist aus eigenen Rücklagen, Zuschüssen, Bankkrediten und Stiftungsgeldern wollen die Kommunemitglieder eigenhändig den Hof sanieren. Aber das ist ein Marathon mit Hindernissen. Ein tragender Balken sei von Käfern befallen gewesen und habe ersetzt werden müssen, berichtet Links Kollege Borchardt, der wie viele andere Kommunemitglieder noch seinem Hauptberuf nachgeht. Er ist Fassadenkletterer.

Der an manchen Stellen entdeckte Schwamm sei glücklicherweise nicht mehr aktiv, sagt Borchardt. Und der Schornstein sei in einem überraschend guten Zustand. Dafür hatte sich der Efeubewuchs des Hauses schon in die Zimmer vorgekämpft. Die Baustelle ist im Verzug, mit dem Einzug der ersten Kommunemitglieder wird es frühestens im Februar nächsten Jahres etwas.

Daher hat der Verein bereits zwei Wohnungen im Dorf angemietet, weitere kommen wohl noch hinzu, damit die Helfer am Bau kurze Wege haben. Dennoch sind Link und Borchardt guten Mutes. Die Nachbarn seien sehr interessiert und hilfsbereit, berichtet Sarah Link und zeigt allerlei Gerätschaften, die die Kommune geschenkt bekommen hat. Beim Abriss der Riffer-Villa bekam der Verein kostenlos Dachziegel und Türen, die nun auf den Einbau warten. Demnächst erwarten die Bauhelfer die Genehmigung für den Einbau neuer Holzfenster. „Die Denkmalpflege ist sehr wohlwollend“, sagt Link. Der Rat der gelernten Restauratorin ist auf dem Bau gefragt. Dort würden noch jede Menge Handwerker aller Gewerke benötigt, die ehrenamtlich mithelfen wollen, sagt Borchardt. Denn die meisten neuen Kommunemitglieder seien noch auf ihren bisherigen Arbeitsplätzen eingespannt. Man plane für nächstes Jahr, mit der Kommune Niederkaufungen Arbeitskräfte auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen. Weitere Interessenten, die nicht helfen sondern in der Gemeinschaft auch leben wollen, sind willkommen. Sie müssen allerdings eine Probezeit absolvieren.

www.lossehof.de Kontakt: info@lossehof.de

Lebensgemeinschaft entsteht im Hof Hubenthal

Lebensgemeinschaft entsteht im früheren Hof Hubenthal in Oberkaufungen

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.