Kirchenkabarettist Ingmar von Maybach-Mengede gastierte in der Adventskirche

Satire mit satten Pointen

Raffaels berühmte Putten: Die Pfarrerinnen Maike Westhelle (rechts) und Birgit Grimsel ließ Kirchenkabarettist Ingmar von Maybach-Mengede für sein Gedankenbild von Angela Merkel als Sixtinische Madonna engelsgleich posieren. Foto: Binienda-Beer

Vellmar. Ja, die Farbe des Talars ist schwarz. Nein, Kirche muss deshalb noch lange keine nur ernste Sache sein. Soviel schickt der protestantische Pfarrer auf Spaßtournee zum Auftakt seines Programms der bundesweiten CSU, der Christlich-Satirischen Unterhaltung, am Donnerstagabend in der Niedervellmarer Adventskirche erst mal vorweg.

Bevor der Kirchenkabarettist Ingmar von Maybach-Mengede aber loslegt, unterzieht er sich der Mühe, mit seinem Publikum noch schnell den angemessenen - wiederholten - Einzug seiner Person ins Gotteshaus einzustudieren. Als er dann zum zweiten Mal auf den Altar zuschreitet, klappt alles wie am Schnürchen: Frauen springen hingerissen von den Bänken auf und winken, „Maybach, Maybach“, tönt es frenetisch aus der Menge und: „Maybach muss Bischof werden!“

Damit ist die erste Lektion fürs moderne Kirchenvolk beinahe schon erlernt. „Um die evangelische Kirche fit zu machen für die Zukunft, müssen wir Anleihen nehmen bei den Katholiken“, sagt Maybach-Mengede, „mehr Mut zum Personenkult“. Satire, Selbstironie und satte Pointen mit hintergründigem Wortwitz: So wird es weitergehen an diesem Abend beim Kirchenkabarett mit dem Soziologen und Pfarrer, der sich schon äußerlich von seinen Amtsbrüdern abzugrenzen versteht. Der lange blonde Zopf des Spaßmachers Gottes, wie er gerne genannt wird, wirkt wie ein Markenzeichen des Wahl-Odenwälders.

Die protestantische Kirche fit zu machen für die Zukunft, diesen Anspruch gibt der Mann so schnell nicht auf und entwickelt den hypermodernen Zielgruppengottesdienst für Vielflieger, der zum Amüsement der Zuhörer liturgische Elemente mit hinlänglich bekannten Ansagen des Flugpersonals verbindet. Nächstes Thema: In Angela Merkel, protestantische Pfarrerstochter mit dem „Flair der Frauenhilfe“ und „Mutter aller Deutschen“, erkennt Maybach die Sixtinische Madonna von Renaissance-Maler Raffael. Damit der Wiedererkennungseffekt des weltberühmten Gemäldes mit den beiden Putten am unteren Bildrand für alle funktioniert, holt sich der Spaßpfarrer zwei leibhaftige Kolleginnen aus der ersten Bankreihe. Die Pfarrerinnen Maike Westhelle und Birgit Grimsel bekommen blütenweiße Flügel verpasst - und verharren auf Stühlen vor dem Altar geduldig in den Posen der Engelsgestalten. Eine Nebelmaschine steuert Wölkchen bei.

Am Ende gab es in der Kirche dankbaren Applaus der gerade mal gut 50 Veranstaltungsbesucher.

Von Dorina Binienda-Beer

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